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"Würstelstände werden nicht verstaatlicht"

Ernest-Kaltenegger Interview im OE-1-Mittagsjournal

Landtagswahlen Steiermark
KPÖ-Chef Kaltenegger: "Kommunismus ist Fernziel"

Ö1 Mittagsjournal - Klaus Webhofer:
Der KPÖ-Spitzenkandidat Ernest Kaltenegger zog 2003 mit über 20 Prozent furios in den Grazer Stadtsenat. Weithin bekannt geworden ist Kaltenegger, weil er die Hälfte seines Politikergehaltes für Bedürftige spendet. Ernest Kalteneggers Grundeinstellung lautet: Eine politische Partei oder ein Mandatar wird nicht besser, indem er andere verurteilt. Deshalb will sich der KPÖ-Spitzenkandidat und so genannte "Engel der Armen" sich auch nicht bei der politischen Schlammschlacht einmischen, die in der Steiermark wenige Wochen vor der Wahl ausgetragen wird, .

Doch scheint es gerade Kaltenegger zu sein, der von der Unzufriedenheit der Bürger mit dem politischen Verhältnissen und den steirischen Skandalen profitiert hat und somit zur Vertrauensfigur avanciert ist. Das Urteil der Menschen sei nicht durch Entscheidungsanweisungen beeinflussbar, so Kaltenegger.

Kaltengger:"Kommunismus ist Fernziel"
Der Kommunismus in der Steiermark erlebt eine Renaissance und diese hängt offensichtlich mit der Persönlichkeit Kalteneggers zusammen. Er gilt allgemein als sympathisch und engagiert. Doch der Kommunismus sei ein Fernziel, so Kaltenegger. Jeder Mensch solle aber, als Kompass eine politische Grundeinstellung haben. Die KPÖ müsse neben ihren Grundätzen auch eine Alltagstauglichkeit an den Tag legen. Es gehe ihm um "das Leben im Hier und Heute".

Kalteneggers Schwerpunkt im Wahlkampf soll die Sozialpolitik sein. Immerhin gebe es sehr viele Menschen in der Steiermark, die unter der Armutsgrenze leben. Zudem müsse öffentliches Eigentum, vor allem dann, wenn es der Daseinsvorsorge diene, auch dort bleiben. Kaltenegger spricht sich also ganz im Sinne kommunistischer Sichtweisen, gegen Privatisierungen und Ausgliederungen aus. Allerdings sei seine Konzeption einer Verstaatlichung nicht, dass die öffentliche Hand den "Betrieb der steirischen Würstelstandeln" übernehme oder Kolchosen in der Oststeiermark eingeführt. Man brauche also nicht zu befürchten, dass "mit zwei oder drei Mandaten in der Steiermark überall die roten Fahnen geschwenkt werden" so Kaltenegger. Was man aber schon habe, das sei eine kritische Haltung gegenüber der EU.

KPÖ kein ÖVP-Freundeskreis oder SPÖ-Hilfsverein

Von Kalteneggers politischen Kontrahenten kam oft der Vorwurf, dieser betreibe Almosenpolitik ohne Konzepte und drücke sich vor politischen Entscheidungen und Festlegungen. Kaltenegger weist diese Unterstellungen zurück, geht aber nicht näher auf die Vorwürfe ein. Man sei in der KPÖ bemüht die Lebensbedingungen insgesamt zu verbessern und das im Hier und Jetzt, so sein Credo.

Wenn man den Prognosen traut, dann könnte der KPÖ-Spitzenkandidat zum Landeshauptmann-Macher werden. Dazu Kaltenegger: Die KPÖ ist weder der Freundeskreis einer Waltraud Klasnic, noch der Hilfsverein von Franz Voves.

23. September 2005