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Wo ist Zigeunerland?

Beschämend für Kapfenberg

Jedes Volk hat sein Heimatland, so denken wir. Die Franzosen haben Frankreich, die Italiener Italien, die Japaner Japan. Aber wo ist Zigeunerland?

 

Seit 500 Jahren und mehr leben in Europa Roma und Sinti, Menschen, die von den anderen Zigeuner genannt werden. Mindestens 10 bis 12 Millionen sind es in ganz Europa. Das heißt, es gibt mehr Roma als Griechen oder Portugiesen oder Tschechen, mehr als Ungarn, Schweden oder Österreicher. Wenn die Roma einen eigenen Staat hätten, wäre er der neuntgrößte in Europa. Doch sie haben keinen. Sie haben keinen Staat und nicht einmal ein gemeinsames Gebiet. Sie leben verstreut in Städten, Dörfern und Siedlungen und ganz wenige leben noch immer als Reisende in Wohnwagen, die heute nicht mehr von Pferden, sondern von starken Autos gezogen werden.


Vertrieben
Man spricht vom „Zigeunerproblem“. Roma und Sinti, so scheint es, sind nirgends gern gesehen. In Jugoslawien hatten sie Möglichkeiten und Arbeit. Seit dem Ende des Sozialismus haben sie nach Serbien fliehen müssen, um dort in Elendssiedlungen und vom Sammeln und Verkaufen von Müll zu leben. In Belgrad sind sie nicht willkommen und werden zunehmend in andere Städte abgesiedelt.
Auf ihrem Weg zu einem internationalen Treffen kommen seit vielen Jahrzehnten immer wieder durchziehende Roma nach Kapfenberg. Sie haben noch niemandem etwas getan. Verschmutzungen gab es und einen Stau auf der Straße und Leute haben sich belästigt gefühlt.


In Kapfenberg unerwünscht?
Deswegen wird die Gemeinde Kapfenberg keine Ausnahmeregelung mehr für das Campierverbot erteilen. Für mich ist das schockierend und beschämend zugleich. Menschen, die ohnehin nichts haben außer ihren Autos und deren Inhalt, verbietet man, in Kapfenberg Halt zu machen. So etwas, davon bin ich überzeugt, muss eine Gesellschaft aushalten. Verschmutzungen und Belästigungen sowie Straßenstaus gibt es auch ohne Roma und Sinti. Ich spreche mich hiermit für eine Wiedereinführung der Ausnahmeregelung des Campierverbots und eine Entschuldigung bei dieser Bevölkerungsgruppe aus. Ich bin dafür, am gut geeigneten Festplatz, die Roma campieren zu lassen und bin, falls dies notwendig sein sollte, bereit, die Gebühr für die Benutzung des Festplatzes zu übernehmen. Ich jedenfalls kann nicht stillhalten, wenn Unrecht geschieht.

Clemens Perteneder
KPÖ Gemeinderat in Kapfenberg

10. Juni 2010