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"Wir hoffen auf 2 Mandate"

Kaltenegger-Interview in den Oberösterreichischen Nachrichten

Kaltenegger: "Soziale Zeitbombe"
WIEN. Der Grazer KP-Stadtrat Ernest Kaltenegger (55) erhofft sich bei den steirischen Wahlen zwei Mandate für die KPÖ. Im Bund will er nicht antreten.

OÖN: Was wollen Sie in der Steiermark verbessern?

Kaltenegger: Wir brauchen einen sozialen Schwerpunkt. Wir haben eine Wohnbauförderung, die jungen Leuten ermöglicht, zu sehr günstigen Bedingungen eine Wohnung zu beziehen. Dann steigen die Mieten alle fünf Jahre. Man geht von der irrigen Ansicht aus, dass die Jungen später höhere Einkommen haben. Heute wissen wir, dass bei vielen ein Einbruch mit 40, 50 kommt.

OÖN: Wollen Sie verhindern, dass die Mieten steigen?

Kaltenegger: Die Mieten sind eine soziale Zeitbombe. Richtig ist, Belastungsobergrenzen einzuziehen.

OÖN: Was ist Ihr Wahlziel? Wohnbau-Landesrat?

Kaltenegger: Das halte ich für unrealistisch. Die KPÖ hat 2000 1,03 Prozent gehabt. Unser Ziel ist der Einzug in den Landtag. In Graz kann uns ein Grundmandat gelingen, und dann eventuell noch ein zweites Mandat.

OÖN: Haben Sie eine Erklärung dafür, wieso in der Steiermark ständig neue dubiose Geldflüsse bekannt werden?

Kaltenegger: Ich glaube nicht, dass die Steiermark anfälliger ist als andere Bundesländer. Aber wir haben 60 Jahre eine VP-Mehrheit, die sich ihrer Sache sehr sicher war. Auch die SP hat mitgemacht. Man hat das Land behandelt, als ob es das Eigentum einer Partei wäre.

OÖN: Wer soll künftig die Steiermark regieren? Haben Sie eine Präferenz?

Kaltenegger: Eigentlich nicht. Ich denke, das werden sich VP und SP untereinander mehr oder weniger ausmachen.

OÖN: Wie ist Ihr Zugang zum Kommunismus?

Kaltenegger: Ich bin seit 1972 KPÖ-Mitglied. Ich halte die Idee für sehr faszinierend. Es hat viele schlimme Dinge gegeben, die im Namen dieser Idee begangen wurden. Grundsätzlich denke ich, dass man sich nicht aufs Programmatische beschränken darf. Wir müssen auch eine alltagstaugliche Partei sein und die Probleme von heute lösen.

OÖN: Arbeiten Sie mit Ihren "Almosen" nicht der Verelendungstheorie zuwider?

Kaltenegger: Die Verelendungstheorie ist nicht unproblematisch. Es gibt schon lange keine Automatik mehr, dass die Leute, wenn es ihnen schlecht geht, sich links zuwenden. Verelendung kann auch bedeuten, dass eine rechtsextreme Partei wieder stark werden kann. Mit Almosen kann man Probleme nicht lösen, aber Not lindern.

OÖN: Ist die steirische KP nicht eine one-man-show?

Kaltenegger: Nein. Alle unsere Gemeinderäte liefern die Hälfte ihres Einkommens ab und stellen es sozialen Zwecken zur Verfügung.

OÖN: Wollen Sie künftig auf Bundesebene antreten?

Kaltenegger: Nein.

vom 07.09.2005

16. September 2005