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"Westlich der Mongolei"

Nachhilfe in Geographie für rechte Wahlkämpfer

FPÖ und BZÖ sind in der Steiermark in einem Punkt einig: Sie malen eine
kommunistische Gefahr an die Wand. Nach FP-Vize Schöggl war gestern sein
Vorgänger und jetziger BZÖ-Spitzenkandidat Michael Schmid an der Reihe. Er
sagte bei einer Parteiversammlung wörtlich: "Und ich kann mir nicht
vorstellen, dass die Steiermark die letzte kommunistische Hochburg
westlich der Mongolei ist".

Dazu wäre inhaltlich viel zu sagen. Schmid irrt aber auch in
geographischer Hinsicht. Kommunistische Hochburgen, Städte und Regionen, in denen eine ähnliche basisbezogene Politik betrieben wird wie von der
KPÖ in Graz, gibt es zur Zeit in Europa vor allem westlich und südlich der Steiermark:

In Frankreich, wo beispielsweise der kommunistische Bürgermeister der
Hafenstadt Calais Jackie Henin auch Mitglied des EU-Parlaments ist; in
Italien, wo der Kommunist Vendola erst vor kurzem zum Präsidenten der Region Apulien gewählt wurde; in Portugal, wo die Kommunistsiche Partei in der Region Alentejo über 30 % der Stimmen erzielt - und in Griechenland, wo die Kommmunistische Partei starke Positionen in vielen Gemeinden hat.

Eine gute kommunistische Kommunal- und Regionalpolitik ist nichts zum
Fürchten, sondern gehört für sehr viele Menschen in Westeuropa zum Alltag.
Auch in Graz und obersteirischen Gemeinden wie Leoben, Knittelfeld,
Mürzzuschlag, Trofaiach oder Eisenerz hat die Stärkung der KPÖ der
arbeitenden Bevölkerung nicht geschadet.

Franz Stephan Parteder

Steirischer KPÖ-Vorsitzender

PS: Eine andere kommunistische Hochburg "westlich der Mongolei" und
nördlich von Österreich befindet sich in Tschechien, wo die
Kommunistische Partei sehr viele Bürgermeister stellt. Aber das ist eine
andere Geschichte.

27. August 2005