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Werner Murgg und die Ruinen

korso berichtet über private Seite des Landtagsabgeordneten

Die abenteuerliche Welt der Burgruinen

Einer der profundesten Kenner der steirischen Burgen und Wehranlagen ist zweifellos der Landtagsabgeordnete Dr. Werner Murgg (KPÖ), der sich seit seiner Jugend dieser faszinierenden Materie verschrieben hat.

Anfang November wurde im Bundesdenkmalamt in Graz sein neuestes Werk „Burgruinen in der Steiermark“ präsentiert, das eine ausführliche und minutiöse Dokumentation von zahlreichen verfallenen Burganlagen der Steiermark beinhaltet. Als unbezahlte Enthusiasten haben Murgg und seine „Mitstreiter“ mit ihren zeitraubenden Vorarbeiten und Vermessungsarbeiten ein wichtiges Forschungsdesiderat abgedeckt.

Faszination von Kindheit an. Die Begeisterung für die geheimnisvollen Gemäuer alter Türme wurde bereits in Kindheitstagen in ihm geweckt, berichtet Murgg: „Mein Vater hat Anfang der sechziger Jahre das steirische Burgenbuch von Robert Baravalle nach Hause gebracht, das wie ein wertvoller Schatz gehütet wurde. Die faszinierende Welt der Ritterburgen hat mich nicht mehr losgelassen und wurde später zu einer Leidenschaft.“ Vor rund einem Jahrzehnt stieß der promovierte Philosoph und Historiker auf die Planaufnahmen steirischer Wehranlagen durch die Burgenbegeisterten Gerhard und Heinrich Reichhalter sowie Martin Aigner. Die Hobbyforscher erklärten sich spontan bereit, ihre Freizeit für ein gemeinsames Projekt zur systematischen Erfassung und Vermessung zu „opfern“.

Ausführliche Begehungen.

Die für eine derart ausführliche Darstellung erforderlichen Arbeiten zogen sich fast über ein Jahrzehnt hin, berichtet Murgg: „Die Begehungen sämtlicher Objekte, um den Erhaltungsgrad der Anlagen festzuhalten sowie die Beschreibungen anzufertigen, habe ich zwischen 1999 und 2008 neben meiner beruflichen Tätigkeit durchgeführt.“ Im Mittelpunkt der Burgenporträts steht die bauhistorische Analyse der erhaltenen Bausubstanz, die durch detaillierte Phasenpläne und Bildmaterial ergänzt wird, erklärt Murgg. Für jedes Objekt sind Angaben zur Lage und Bausubstanz sowie die verfügbaren archäologischen und historischen Quellen und Publikationen angeführt. Trotzdem liest sich der Band nicht langweilig, sondern stellt auch für die interessierten Laien eine kurzweilige Fundgrube dar.

Verfehlte „Sanierungen. Von vielen Wehranlagen sind nur mehr spärliche Reste erhalten, etwa von der erst vor wenigen Jahren entdeckten Primaresburg bei Maria Lankowitz. Ein viel größere Bedrohung als im natürlichen Verfallsprozess sieht Murgg allerdings in der „hemmungslosen Restaurierungswut“ der vergangenen Jahrzehnte: „Diese hat gerade in der Steiermark irreversible Schäden angerichtet.“ Ein typischer, aber auch besonders krasser Fall sind die Ruinen von Alt-Rabenstein, die nahezu vollständig mit einer unhistorischen „Klause“ überbaut wurden, um eine „romantische“ Wohnanlage zu schaffen. Andererseits gäbe es auch eine Reihe gelungener Beispiele für eine sinnvolle Sanierung von Wehranlagen, die im Buch dokumentiert werden, betont Murgg: „Die mangelnde finanzielle Unterstützung von Seiten der öffentlichen Hand macht es aber zunehmend schwieriger, vom Verschwinden bedrohte kulturelle Werte zu erhalten.“
| Josef Schiffer

Buchtipp: Werner Murgg: Burg-ruinen der Steiermark. Fundberichte aus Österreich, Materialheft B 2. BDA 2009, 187 S. Preis: 25 Euro

(Korso, Dezember 2009)

22. Dezember 2009