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Werner Murgg über Leichen im Keller

Falter-Interview mit dem Vorsitzenden des Herberstein-Ausschusses

Werner Murgg, seit den Gemeinderatswahlen 2005 für die KPÖ Stadtrat in Leoben und seit den Wahlen vom 2. Oktober auch Abgeordneter zum steirischen Landtag, wird den Herberstein-Untersuchungsausschuss leiten.

Falter: Was wollen Sie beim Untersuchungsausschuss herausfinden?

Werner Murgg: In erster Linie die politische Verantwortung für die schon feststehenden, durch den Rechnungshofbericht aufgezeigten Verfehlungen und dann natürlich allfällige weitere Verfehlungen, die im Zuge der Recherchen bekannt werden. Das liegt natürlich noch im Dunkeln.

Wo beginnen Sie mit der Untersuchung?

Ich bin nur der Obmann des Ausschusses mit einer Stimme, die Mehrheit haben die anderen. Aber ich werde einmal den Vorschlag machen, beim Rechnungshofbericht zu beginnen, der die Jahre 1983 bis 2005 beleuchtet. Also dass wir uns nicht auf neue Vermutungen stürzen, sondern zuerst die Vorarbeiten erledigen.

Wann hören Sie zu prüfen auf?

Wenn wir merken, dass keine Leichen mehr im Keller liegen.

Was ist für Sie das größte Mysterium in dieser Sache?

Nach dem, was man weiß - es ermittelt ja schon die Staatsanwaltschaft -, ist es für mich ein Mysterium, wie die führenden Repräsentanten einer Partei, die die Steiermark sechzig Jahre regiert hat, sich von einer gräflichen Familie so hinters Licht führen haben lassen.

Wie verhindern Sie, dass der U-Ausschuss zum Wahlkampfspektakel wird?

Das wird nicht leicht sein. Diese Befürchtung habe ich auch, vor allem, wenn die Ausschüsse parallel laufen. Da wird man immer wieder in der Öffentlichkeit darauf hinweisen müssen, wenn die ÖVP und die SPÖ wieder einmal die Absicht haben, sich gegenseitig Revanchefouls zu verabreichen.

Wann sind Sie erfolgreich gewesen?

Wenn man die politische Verantwortung der aufgezeigten oder vielleicht noch auftretenden neuen Verdachtsmomente eindeutig zuordnen und das den Menschen auch so vermitteln kann.

Wie wahrscheinlich ist für Sie ein gemeinsamer Bericht?

Bis zu einem gewissen Grad hoffe ich darauf.

Was wird wegen dieser Untersuchung liegen bleiben müssen?

Vorläufig wird nichts zu kurz kommen, sondern so sein, dass ich am Wochenende nicht mehr einen freien Tag habe, sondern überhaupt keinen mehr.

Wie lange wird es dauern?

Schon bis in den späten Herbst hinein. Wir werden vermutlich nach Ostern anfangen, im Sommer wird es eine gewisse Pause geben müssen. Ich glaube, dass wir das vor der Wahl - sollte sie im November sein - fertig bringen.

21. März 2006