Wer war Rosa Luxemburg?

Vier kleine Blitzlichter zum Leben von Rosa Luxemburg

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KPÖ Frauenfrühstück Graz 10.3.2019 mit Anne Riegers kurzem Input zum Leben von Rosa Luxenburg

• War sie eine Feministin?
• Wie stand sie zum Frauenwahlrecht
• Konsequente Antimilitaristin
• Warum wurde sie ermordet?

 

1. War sie eine Feministin?

Sie war eine emanzipierte, selbstbewusste Frau,

die selbstbestimmt lebte

Die 19 jährige Polin emigrierte nach Zürich

studierte dort Naturwissenschaften später Nationalökonomie,
in einer Zeit, in denen Frauen in Deutschland und Österreich die Universitäten verschlossen waren

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Als 20jährige tat sie sich mit Leo Jogiches in freier Partnerschaft zusammen,
was durchaus nicht üblich war.

Sie ergriff mit großer Selbstverständlichkeit das Wort auf der öffentlichen politischen Bühne
setzte sich
• nötigenfalls respektlos sowohl mit ihren
• Parteigenossen als auch mit den
• politischen Gegner auseinander
• was zu etwas Unerhörtes für Frauen war
zumal politische Betätigung für Frauen in Deutschland offiziell verboten war.

Und sie wollte politisch etwas bewegen,
mit 28 Jahren schrieb sie voll Energie an Leo Jogiches:

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„Ich habe die Absicht und Lust, positiv zu schieben, nicht Personen, sondern Bewegung in ihrer Gesamtheit, unsere ganze positive Arbeit zu revidieren, die Agitation, die Praxis, neue Wege aufzuzeigen, sofern sich welche finden lassen, woran ich nicht zweifle, den Schlendrian zu bekämpfen etc., mit einem Wort, ein ständiger Antrieb der Bewegung zu sein.“

Die mutige Frau war ein Jahr zuvor - 1898 - nach Deutschland migriert, weil sie nur in einer gut organisierten Massenbewegung ihre Ziele voll entfalten könne.
Und das war die deutsche Sozialdemokratie als international anerkannte Arbeiterpartei zu dem Zeitpunkt.

Rosa machte in Schlesien effizienten Wahlkampf, trat erfolgreich national und international öffentlich auf,
schrieb hunderte Artikel,
bedeutende politische und ökonomische Broschüren und Bücher,
war Chefredakteurin der Sächsischen Arbeiterzeitung in Dresden und Chefin der Parteischule der Sozialdemokratischen Partei in Berlin.

Dafür war Frau Doktor Luxemburg bestens geeignet. Mit ihrer Dissertation über „Die industrielle Entwicklung Polens“ erregte sie Aufmerksamkeit – auch bei politisch Andersdenkenden. Der Journalisten Robert Seidel rühmte diese ökonomische Arbeit 1897 als einen
Beitrag zum Kampf um Gleichberechtigung

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„Es ist eine neue Begründung des Anrechts der Frau auf Gleichheit mit dem Manne, sofern dieses Anrecht überhaupt noch einer Begründung bedürfte,“ so in seiner Besprechung für die Zeitung „Zürcher Volksrecht“.

Sie hat sich nicht als Feministin bezeichnet, aber durch ihr Auftreten setzte sie sich für die Rechte der Frauen und ihre eigenen Rechte ein.

2. Frauenwahlrecht

1848, im Zuge der revolutionären Bewegung, waren erstmals weibliche Forderungen nach staatsbürgerlicher Gleichberechtigung laut geworden. Luise Otto urteilte über die Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche, die über eine Verfassung des deutschen Volkes beriet, also auch über die demokratischen Grundrechte wie das Wahlrecht:

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„Wo sie das Volk meinen, zählen die Frauen nicht mit.“

Denn mit „deutschem Volk“ waren nur deutsche Männer über 25 gemeint.

Es folgten jahrzehntelange Kämpfe, in – und außerhalb der Arbeiterparteien.
Gleichberechtigte Erwerbsarbeit und Frauenwahlrecht waren die Gretchenfragen der Emanzipation.

1902 mischte sie sich Rosa Luxemburg in die Auseinandersetzungen um das allgemeine Wahlrecht in Belgien ein.
Sie empörte sich über das Verhalten der belgischen Arbeiterpartei, die seit 15 Jahren für ein demokratisches Wahlrecht kämpfte aber es nicht wagte, sie für ein Frauenwahlrecht einzusetzen.

Die Sozialdemokratie war im deutschen Kaiserreich die einzige Partei, die das demokratische Wahlrecht für Männer und Frauen forderte.
Einmütig nach außen, aber intern gab es Widerstände. Einigen waren die Forderungen zu weitreichend, nicht durchsetzbar.
1905 hatte Edmund Fischer in den sozialistischen Monatsheften geschrieben: (Redakteuer, später Reichstagsabgeordneter)
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„Der alte Emanzipationsstandpunkt, der immer noch in vielen Köpfen spukt, lässt sich meiner Ansicht nach heute nicht mehr aufrechterhalten. Die sogenannte Frauenemanzipation widerstrebt der weiblichen und der menschlichen Natur überhaupt ist Unnatur und daher undurchführbar.“
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1907 auf der 1. Internationale Sozialistische Frauenkonferenz als auch auf dem
Internationalen Sozialisten Kongress der zweiten Internationale in Stuttgart
verlangt Rosas Freundin Clara Zetkins die
„sozialistischen Parteien aller Länder zu verpflichten, für die Einführung des allgemeinen Frauenwahlrechts energisch zu kämpfen.“
Der Punkt zielte insbesondere auf die Österreichischen SozialdemokratInnen Victor Adler und Adelheid Popp, die erklärt hatten, aus taktischen Erwägungen zuerst nur für das allgemeine und gleiche Wahlrecht der Männer zu kämpfen und das Frauenwahlrecht bei der Agitation nicht in den Fordergrund zurücken.

Dagegen hatte sich die deutsche Sozialistinnen deutlich ausgesprochen:
„Wir müssen prinzipiell alles fordern, was wir für richtig halten, und nur, wenn unsere Macht nicht weiter reicht, nehmen wir das, was wir bekommen können. So ist die Taktik der Sozialdemokratie gewesen.
Je bescheidener unsere Forderungen sind, desto bescheidener wird die Regierung in ihrer Bewilligung sein.“ (Luise Zitz)

Entsprechend Clara Zetkins Antrag, den Rosa unterstütze, waren nach Beschluss die „sozialistischen Parteien aller Länder verpflichtet, für die Einführung des allgemeinen Frauenwahlrechts energisch zu kämpfen.“
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1912 schreib Rosa
„Um das Frauenwahlrecht handelt es sich als Ziel, aber die Massenbewegung dafür ist nicht Frauensache allein, sondern gemeinsame Klassenangelegenheit der Frauen und Männer des Proletariats, denn
(Denn die Rechtlosigkeit der Frau ist heute in Deutschland nur ein Glied in der Kette der Reaktion, die das Leben des Volkes fesselt, und sie steht im engsten Zusammenhang mit der anderen Säule dieser Reaktion: mit der Monarchie.
Sie bestehen jedoch in der heutigen modernen Gesellschaft weiter, sie sind noch da, weil beide - Monarchie wie Rechtlosigkeit der Frau - zu mächtigen Werkzeugen volksfeindlicher Interessen geworden sind. Hinter dem Thron und Altar wie hinter der politischen Versklavung des weiblichen Geschlechts verschanzen sich heute die schlimmsten und brutalsten Vertreter der Ausbeutung und der Knechtschaft des Proletariats).
Monarchie und Rechtlosigkeit der Frau sind zu den wichtigsten Werkzeugen der kapitalistischen Klassenherrschaft geworden.

3. Konsequente Internationalistin und Antimilitaristin

Rosa agitierte unermüdlich gegen den drohenden Weltkrieg,
und wurde dafür während des 52 Monate dauernden Krieges, 40 Monate in Gefängnissen weggesperrt:
u.a. in „Sicherheitshaft“

1899 schreib sie
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Militarismus sei für die Kapitalistenklasse in „dreifacher Beziehung unentbehrlich geworden

1. als Kampfmittel für konkurrierende, nationale Interesse gegen andere nationale Gruppen,
2. wichtigste Anlageart, ebenso für das finanzielle wie für das industrielle Kapital,
3. als Werkzeug der Klassenherrschaft im Inlande gegenüber dem arbeitenden Volke“ („Sozialreform oder Revolution“ 1899)

1913 in Berlin auf einer Großveranstaltung

„Wenn uns zugemutet wird, die Mordwaffen gegen unsere französischen Brüder zu erheben,
dann rufen wir: Das tun wir nicht!“

4. Warum wurde sie im Januar 1919 ermordet und in den Kanal geworfen?

Schon 1905 und im Februar und November 1917 hatte sie mit Begeisterung die drei russischen Revolutionen verfolgt, war aber ja teilweise im Gefängnis.

1918 dann, am 3. November, weigerten sich tausende Matrosen in Deutschland in Kiel, noch mal zu einer Kriegsschlacht gegen England aufs Meer zu fahren.
Der Widerstand geht über in politische Massenstreiks, die sich in andere Städte ausbreiten.
Am 9. November, 6 Tage später, marschieren revolutionäre Arbeiter in Berlin auf, der deutsche Kaiser wird gezwungen abzudanken und flieht in die Niederlande.
Am 11. November wird den Revolutionären von der schnell installierten sozialdemokratischen Ebert-Regierung die Spitze gebrochen - mit dem Schlachtruf „Ruhe und Ordnung“.

Am 11. November wird das Spartakusprogramm – von Rosa mitverfasst, veröffentlicht.
Unter anderem fordert es die
• Enteignung der
o Banken, Bergwerke, Hütten und hohen Vermögen,
• Gleichstellung der Geschlechter,
• Frieden und die
• sozialistische Revolution auf internationale Basis zu stellen.

Spartakus war das von Luxemburg mitbegründete Antikriegsbündnis innerhalb der Sozialdemokratie.

Die Revolutionäre wurden brutal politisch und militärisch bekämpft.
Zum Jahreswechsel 1918/1919 gründen Rosa und andere die sozialistisch/revolutionäre Organisation, die KPD.
Die Regierung lässt gegen alle Aufständischen militärisch vorgehen.
Als wichtigste Persönlichkeiten, als Köpfe Vordenker und Triebkräfte werden Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht gefangen und erschlagen.

Rosa wird,
- 48 Jahre alt -
bereits tot
in den Kanal geworfen und erst im Mai gefunden.

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Ihr Begräbnis wird noch einmal eine der größten Massendemonstration 1919.

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Und alljährlich, seit Jahrzehnten, ist das immer noch so. Jedes Jahr Anfang Januar findet eine der größten Demonstrationen in Deutschland an ihrem Grab statt.

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Was sagt sie uns heute?

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29. März 2019