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Weg mit dem Regress!

Ehemalige SPÖ- und ÖVP-Politikerinnen starten Initiative

Der steirische KPÖ-Spitzenkandidat, AK-Rat Kurt Luttenberger und Jürgen Klösch, KPÖ-Gemeinderat in Bruck an der Mur, zeigten sich am Freitag erfreut über die überparteiliche Initiative „Weg mit dem Regress“ in der obersteirischen Bezirkshauptstadt.

Die Regionalausgabe der Kleinen Zeitung berichtet nämlich, dass die ehemalige Brucker SP-Finanzstadträtin Annemarie Schennach und die ehemalige Brucker VP-Vizebürgermeisterin Ingrid Sumnitsch eine Initiative gegen den Pflegeregress starten.

Kurt Luttenberger: „Es sollte dem Landeshauptmann zu denken geben, dass in der Frage des Pflegeregresses immer mehr Persönlichkeiten gegen die Parteilinie auftreten. Statt zu mauern und diese Belastung auf Biegen und Brechen zu verteidigen, wäre es notwendig, hier dem Willen der Bevölkerung nachzugeben.

Die KPÖ hat in der Steiermark bisher über 11.000 Unterschriften unter dem Titel „Weg mit dem Regress“ gesammelt. Jede weitere Initiative kann hier nur willkommen sein.“

Jürgen Klösch betonte, dass die Haltung von früheren ÖVP- und SPÖ-Politikerinnen auch deshalb erfreulich ist, weil SPÖ und ÖVP erst in der jüngsten Sitzung des Brucker Gemeinderates einen Dringlichkeitsantrag der KPÖ zur Abschaffung des Regresses abgelehnt hatten. Bürgermeister Rosenberger wollte sich – wie er sagte - „nicht zum Handlanger der KPÖ“ machen lassen.

Jetzt gibt es eine Initiative auf überparteilicher Grundlage. Das ist nur zu begrüßen.

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Zur Information der Artikel in der Kleinen Zeitung
Weg mit dem Pflegeregress

Die ehemalige Brucker SP-Finanzstadträtin Annemarie Schennach und die ehemalige Brucker VP-Vizebürgermeisterin Ingrid Sumnitsch starten eine Initiative gegen den Pflegeregress.

MICHAELA AUER

Auch noch in der Pension sind Annemarie Schennach und Ingrid Sumnitsch aktiv. Sie arbeiten als „Selba“-Trainerinnen, das ist ein Trainingsprogramm für Menschen ab 60. Mit „Und wir hören dabei so viel“, erklären sie ihre Motivation für ihre Initiative gegen den Pflegeregress. Was sie hören: Berichte, wie es den Menschen geht. Angehörige sind oft schwer belastet mit den Kosten. Gleich nach Schulbeginn wollen sie mit der Initiative starten und Unterschriften sammeln, schicken aber eines klar voraus: „Wir wollen unparteiisch sein.“ Kritischer Nachsatz: „Das Abschaffen des Regresses hätte der Politik längst selbst einfallen können.“

Renate Mösenbacher und Schennachs Tochter Theresa sind auch mit dabei. Theresa Schennach ist noch Schülerin, findet aber, dass der Pflegeregress auch die jungen Leute etwas angeht. „Viele wissen gar nicht, worum es da geht.“ Dabei, so ergänzt ihre Mutter, könne es jeden treffen, nach Unfällen oder Erkrankungen auch die Jungen.

Mösenbacher ist dabei, weil sie selbst eine Betroffene ist. Ihre Eltern sind in einem Pflegeheim, Mösenbacher hat noch eine schwerbehinderte, erwachsene Tochter, die sie daheim seit 29 Jahren rund um die Uhr pflegt, ihr Mann ist im März verstorben. 7000 Euro kostet das Pflegeheim der Eltern, mit Pflegestufe Fünf und der Pension des Vaters wird das finanziert. Der Rest muss draufgezahlt werden. Bis jetzt wurde das mit Ersparnissen gemacht, die noch da waren. Jetzt verkauft Mösenbacher die Eigentumswohnung der Eltern, um die Kosten zu begleichen. „Bis auch das aufgebraucht ist“, sagt sie.

Was die Frauen nicht verstehen, ist die Haltung der steirischen Politik, mit dem Beibehalten des Pflegeregresses Druck auf den Bund ausüben zu wollen. „Landesrätin Kristina Edlinger-Ploder hat gesagt, das sei eine pädagogische Maßnahme“, ärgert sich Mösenbacher. „Ich bedanke mich dafür.“ Mösenbacher räumt ein, dass sie noch Glück im Unglück hat, weil sie eine recht gute finanzielle Ausgangslage hat, aber die Kosten sind enorm, dazu kommt die starke seelische und körperliche Belastung durch die Pflege der Tochter. „Ich bin nicht immer so stark“, sagt sie über Tage, an denen die Verzweiflung einfach riesengroß ist.
Pflegeversicherung

Schennach kennt viele, die mit dem Pflegeregress an ihre (finanziellen) Grenzen getrieben werden. Frauen, die mit 800 Euro Einkommen im Monat überbleiben, weil sie regresspflichtig sind für den Ehepartner. Sie fordern deswegen seine Abschaffung und die Einführung einer Pflegeversicherung. Schennach: „Wenn wir mit den Leuten reden, sind sie gerne bereit, für eine Versicherung zu zahlen.“ Sumnitsch hat noch andere Vorschläge: Zusätzliche Gelder, die durch die Gemeindefusionen hereinkommen für die Lösung des Problems nutzen, Wahlkampfkosten eindämmen: „ Etwa für sinnlose Plakate.“

(Kleine Zeitung, Region Bruck, 23. 8. 13)

23. August 2013