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Voitsberg III: KPÖ zeigt Versäumnisse der Politik auf

Klaus Pibernig: Kohle ist genug da -Verantwortliche haben versagt

DI Klaus Pibernig, KPÖ-Bezirkssprecher in Voitsberg, zeigt in einem Beitrag zur aktuellen Diskussion um das Kraftwerk Voitsberg III Versäumnisse der Politik auf, die mit den Strategien der internationalen Konzerne zusammenhängen: „Der Chef der Verbundgesellschaft, Herr Haider, der äußerst klug und vorausblickend die eigene Einkommenssituation, seine Abfertigung und die zukünftige Pension verhandelt hat, müsste sich eigentlich angesichts der steigenden Öl-, Gas- und Kohlepreise am Weltmarkt und der zunehmenden Abhängigkeit vom Weltmarkt, wie man volkstümlich sagt, in den eigenen Hintern beißen, bezüglich einer möglichst eigenständigen Energiepolitik nicht ebenso vorausblickend gehandelt zu haben. Aber das schmerzt ihn wahrscheinlich persönlich nicht besonders.

Vorangetrieben wird der Bau eines Großkraftwerkes auf Erdgasbasis mit etwa der dreifachen Leistung von Voitsberg III und der umstrittenen 380 kV-Stromautobahn. Putin und die italienische ENI als Mehrheitseigentümerin der Gaspipeline werden es ihm danken, sie besitzen den Schlüssel für die Gasmenge und den Gaspreis. Siehe Ukraine.
Bezüglich des Weiterbetriebes des Kraftwerkes Voitsberg III denkt man an eine Mischung aus voraussichtlich polnischer Steinkohle und Biomasse (die heute teilweise auch schon importiert wird). Hiefür sind allerdings weder die Zubringung, noch die Lagerhaltung, die Zerkleinerung und Feuerungstechnik sowie die Filter- und Umwelttechnik ausgelegt. Abgesehen davon, dass die Spezifikation von Biomasse von Stallmist über Stroh bis zu Hackschnitzel reicht, sollten sich die Weststeirer vorstellen, dass das Kraftwerk im Vollbetrieb etwa 270 Tonnen Kohle in der Stunde verfeuerte. Wie werden die erforderlichen Massen in den Bezirk gekarrt? Per Bahn oder LKW, abgeladen am Lagerplatz, wieder aufgenommen und dem Heizkessel zugeführt?

Dabei liegt die Primärenergie für den Betrieb des Kraftwerkes in Form von Braunkohle direkt vor dessen Türe, Menschen wären wieder beschäftigt und ein gewisses Maß an Eigenständigkeit österreichischer Energieversorgung wäre gegeben.
Kohle ist genug da, um das Kraftwerk Voitsberg III noch weit über das Jahr 2008 beliefern zu können. Nicht vorhanden war die Kraft der Politiker dafür, sich von Verbund und GKB die Zahlen dafür geben zu lassen, wie viel verwertbare Braunkohlen in den Lagerstätten der GKB noch vorhanden sind und wie hoch deren Herstellkosten nach der bereits weitgehenden Bewältigung und Abtragung des Großteiles der Abraummassen sind.
Genau so wie sie heute kein Wort über die Arbeitsplatzverluste bei Glas, Firma Form, Bauer usw. verlieren. Oder über die bisherigen Ergebnisse der Umweltverträglichkeitsprüfung der fragwürdigen Renn-Test-Strecke in Zangtal.

15. November 2006