Tag der Einkommensgleichheit

Equal Pay Day: Alljährlich im Herbst haben unsere männlichen Kollegen das Geld, für das wir Frauen noch bis Jahresende (rund drei Monate lang) arbeiten müssen, bereits verdient.

von Heide Bekhit

Am 8. Oktober fand in Österreich der „Equal Pay Day“ statt. Das ist jener Tag im Jahr, ab dem Frauen in unserem Land „gratis“ arbeiten. Das bedeutet, dass Männer bis zu diesem Tag im Jahr bereits so viel verdient haben wie Frauen das ganze Jahr verdienen werden. Woher kommen diese Unterschiede? Und was ist zu tun?

25,5 Prozent verdienen Österreichs Männer im Durchschnitt mehr als Österreichs Frauen. Alljährlich im Herbst, wenn der Equal Pay Day begangen wird, haben unsere männlichen Kollegen das Geld, für das wir Frauen noch bis Jahresende (rund drei Monate lang) arbeiten müssen, bereits verdient. Die Einkommensunterschiede liegen aber nicht – wie viele gerne behaupten – in der hohen Teilzeitquote von Frauen begründet. Denn verglichen werden nur Einkommen von Vollzeitbeschäftigten, wie aus den Informationen auf der Homepage der „Business and Professional Women“ (BPW) hervorgeht.

Warum aber, so fragt sich die Österreicherin, ist das so? Sind wir Frauen wirklich weniger wert? Ein beliebter Erklärungsversuch ist nach wie vor die geringere Qualifikation von Frauen. Doch dieses Argument hält der genauen Prüfung nicht stand, denn Frauen sind immer besser gebildet, der Anteil der Studienabsolventinnen hat zuletzt sogar jenen der männlichen Kollegen übertroffen. Am Arbeitsmarkt nützt das – wie sich herausgestellt hat – oft wenig. Überspitzt formuliert könnte man sagen: Gute Bezahlung erkennt man daran, dass ein Mann die Stelle bekleidet.

Viele verorten die Ursache auch in der Berufswahl vieler Frauen. Würden Frauen nicht diese „typischen Frauentätigkeiten“ ausüben, würden sie ja gleich viel besser verdienen! Tatsächlich? Es ist wohl eher umgekehrt: Kaum werden Frauen in einer Branche beschäftigt, sinkt das Lohnniveau. Die Tätigkeit an sich hat damit nur wenig zu tun.

Was verdient eine Friseurin, was ein Friseur? Was bekommt eine Köchin, was bezahlt man dem Koch? Ein Blick auf die Gehaltslisten der Unternehmer/innen beweist: Selbst wenn die Voraussetzungen die gleichen sind: Frau hat es scheinbar nicht verdient, so gut zu verdienen!

In Zahlen sieht die triste Lage folgendermaßen aus: Laut Einkommensstatistik des Hauptverbands der Sozialversicherungsträger für 2012 betrug das Medianeinkommen (50 Prozent der Beschäftigten verdienen mehr, 50 Prozent weniger) bei männlichen Angestellten 3.591 Euro brutto, bei ihren Kolleginnen aber nur 2.138 Euro, Arbeiterinnen bekamen im Schnitt gar nur 1.468 Euro, während die männliche Kollegenschaft immerhin noch 2.400 Euro monatlich wert war.

Noch immer führen konservative Rollenvorstellungen dazu, dass Frauen ihre Erwerbstätigkeit häufiger und länger familienbedingt unterbrechen und reduzieren als Männer. Ihr möglicher Ausfall wird von vielen Dienstgeber/-innen schon bei der Einstellung gerne als Grund für geringere Entlohnung genannt. Kommen sie nach einer Unterbrechung wieder, gibt es noch einmal Entlohnungsdiskriminierung extra. Ist eine Frau Familienernährerin, bedeutet das oft Armut für die ganze Familie trotz Vollbeschäftigung.

Im Alter verschlimmert sich die Situation weiter. In Deutschland, mit Österreich durchaus vergleichbar, beträgt der Einkommensunterschied in der Pension satte 59 Prozent, wie Lilo Rademacher von der deutschen Gewerkschaft IG Metall anlässlich eines Vortrages in Graz berichtete. „Ohne Sanktionen kann man Entgeltgleichstellungsgesetze in die Tonne werfen“, so Rademacher plakativ.

Die KPÖ fordert gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit. Verstöße gegen die Ungleichbezahlung müssen geahndet werden! Außerdem soll ein gesetzlicher Mindeststundenlohn von 10 Euro netto gelten.

Die Folge der Entlohnungsungleichheit bedeutet für Frauen nicht „nur“ ökonomische Diskriminierung, sondern auch eine Beschränkung der Freiheit und Unabhängigkeit. Der Equal Pay Day ist so eine Initiative für Gleichberechtigung und Autonomie von Frauen.“

Ziel einer gerechten Gesellschaft muss es sein, dass sich der Equal Pay Day in den kommenden Jahren kontinuierlich in Richtung Jahresende verschiebt!

30. Oktober 2013