Steirischer Armutsbericht schockiert: Armut nimmt massiv zu

Sinkende Nettoeinkommen und steigende Wohnkosten treiben immer mehr in die Armut – KPÖ fordert Grundsicherung für Kinder

„Armut in der Steiermark“ – unter diesem Titel liegt der neue Armutsbericht im Auftrag des Landes Steiermark vor. Die Zahlen, die darin genannt werden, sind schockierend: Sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen nimmt die Anzahl armer und armutsgefährdeter Menschen massiv zu. Das hat viel mit der Kürzung im Sozialbereich zu tun, sagt Claudia Klimt-Weithaler, Klubobfrau der KPÖ im steirischen Landtag.

2011 waren 126.000 Steirerinnen und Steirer von Armut bedroht, 2015 waren es 156.000. Im Jahr 2017 sind es bereits 190.000 Personen. Noch dramatischer ist die Situation von Kindern und Jugendlichen: 2013 zählte die Volkshilfe in einer viel beachteten Studie 41.000 Kinder und Jugendliche, die in unserem Bundesland an oder unter der Armutsgrenze aufwachsen. 2017 waren es bereits 51.000 Kinder und Jugendliche.

Diese Entwicklung ist kein Zufall, betont die KPÖ. Im gleichen Zeitraum wurden seitens des Bundes- und Landesregierung viele Sozialleistungen abgeschafft oder eingeschränkt, während Teilzeitbeschäftigung und atypische Beschäftigungsverhältnisse zunehmen. Die mittleren und unteren Einkommen sinken – gemessen an der Kaufkraft – seit vielen Jahren. Unter den armutsgefährdeten Personen sind viele erwerbstätig. 30 % der steirischen Haushalte verfügen über keine Ersparnisse und kein Vermögen, während im obersten Bereich eine enorme Vermögenskonzentration herrscht.

Claudia Klimt-Weithaler: „Die Zahlen sind beschämend. Wenn in der Steiermark 190.000 Menschen, darunter über 50.000 Kinder und Jugendliche, an oder unter der Armutsgrenze leben, hat das System versagt. Solche Zahlen wären noch vor wenigen Jahren für unmöglich gehalten worden. Als erster Schritt muss dringend eine Grundsicherung für Kinder geschaffen werden. Die Landespolitik kann nicht einfach zuschauen und weiter kürzen, während immer mehr Menschen in die Armut rutschen.“

Besonders hervorgehoben wird im Bericht der Zusammenhang zwischen Armut und hohen Wohnkosten. Ohne eine Offensive beim öffentlichen Wohnbau und ohne eine Bremse bei Mieten und Betriebskosten, in Österreich die mit Abstand größten Preistreiber, wird sich die soziale Situation noch weiter verschärfen.

Im gleichzeitig erschienenen Sozialbericht von Soziallandesrätin Doris Kampus (SPÖ) ist nachzulesen, dass immer weniger Haushalte Wohnunterstützung und andere Sozialleistungen, die zur Bekämpfung von Armut vorgesehen sind, erhalten. Die abgeschaffte Wohnbeihilfe bezogen zuletzt 31.000 Haushalte, während die Wohnunterstützung nur noch an knapp 21.000 Haushalte ausbezahlt wird. Auch bei anderen Maßnahmen wie etwa der „Hilfe in besonderen Lebenslagen“ wird massiv gekürzt: 2015 wurde noch 465 Personen in Notlagen geholfen, 2017 waren es nur noch 110.

 

26. September 2018