Steiermark braucht mehr Ausbildungsplätze für Pflege!

Trotz Personalmangels werden 2/3 der BewerberInnen abgewiesen

Der Personalmangel in den Spitälern und Pflegeeinrichtungen ist in Österreich eklatant. Die KPÖ fordert deshalb im Landtag, die Anzahl der Ausbildungsplätze für Gesundheits- und Krankenpflege an der FH Joanneum ab dem nächsten Studienjahr deutlich anzuheben. Von 360 Interessierten wurden 240 abgewiesen, weil nur 120 Plätze zur Verfügung stehen.

Besonders bei den Pflegekräften liegt Österreich im OECD-Vergleich weit zurück: Mit 8 pro 1.000 EinwohnerInnen hat Österreich deutlich weniger Pflegekräfte als Tschechien, Slowenien, Frankreich, Belgien, Irland, Luxemburg und Deutschland (12,8 Pflegekräfte/1000).

Die Situation in der Steiermark ist besonders besorgniserregend, da junge Pflegekräfte fehlen. Von den diplomierten Gesundheits- und KrankenpflegerInnen sind etwa 16 Prozent älter als 50 Jahre, bei den PflegeassistentInnen sogar 33 Prozent. Laut Entwicklungs- und Planungsinstitut für Gesundheit (EPIG) kommt es ohne zusätzliches Personal unweigerlich zu einer Unterversorgung, wenn nicht die Anzahl der Pflegekräfte erhöht und die mobile Pflege ausgebaut wird.

In der Steiermark werden an der Fachhochschule Joanneum ca. 120 Ausbildungsplätze für Gesundheits- und Krankenpflege angeboten. Für diese 120 Plätze haben sich zuletzt 360 Personen beworben. Zum Vergleich: In Oberösterreich stehen 340 FH-Studienplätze zur Verfügung, ähnlich ist es in Tirol und Niederösterreich. In Wien werden die Plätze in der diplomierten Gesundheits- und Krankenpflege von 1.300 Ausbildungsplätzen auf 2.300 Plätze erhöht, in der Pflegeassistenz und Pflegefachassistenz von derzeit 1.100 auf 1.800 Ausbildungsplätze. Bei medizinisch-therapeutisch-diagnostischen Gesundheitsberufen und Hebammen stockt Wien von derzeit 1.300 auf 2.100 Plätze auf. Die Steiermark hat also bei den Ausbildungsplätzen für die gehobene Krankenpflege massiven Aufholbedarf!

KPÖ-Klubobfrau Claudia Klimt-Weithaler: „Mit 120 Studienplätzen kann die Steiermark den Bedarf bei weitem nicht decken. Andere Länder haben ihre Ausbildungskapazitäten deutlich erhöht, bei uns werden zwei Drittel der Bewerberinnen und Bewerber abgewiesen. Ich hoffe, dass die Landesregierung die Notwendigkeit erkennt, mehr Menschen im Bereich Gesundheits- und Krankenpflege auszubilden.“

In den Krankenhäusern herrscht derzeit eine besonders erschreckende Situation. Aufgrund des massiven Personalmangels müssen selbst diejenigen Ärzte, Ärztinnen und Pflegekräfte regulär weiterarbeiten, die positiv auf Covid-19 getestet wurden, solange sie keine Symptome zeigen.

4. November 2020