Sozialwirtschaft: Darum ist dieser KV-Abschluss enttäuschend

Applaus und Anerkennung werden nicht reichen, um Menschen für diese lebenswichtigen Berufe zu gewinnen

Einsatz für bessere Arbeitsbedingungen: Die KPÖ unterstützte die Aktionen der Beschäftigten Anfang Februar.

Durch die Corona-Krise wurde die Auseinandersetzung um einen KV-Abschluss in der Sozialwirtschaft von anderen Themen überdeckt. Nun wurde eine Einigung präsentiert, mit der die Beschäftigten nicht zufrieden sein können. Das zeigen auch zahlreiche Reaktionen von Betroffenen. KPÖ und GLB betonen, dass die 35-Stunden-Woche und höhere Löhne weiterhin das Ziel sein müssen.

In den Gesundheits-, Pflege- und Sozialberufen wird der Druck am Arbeitsplatz immer größer. Personalknappheit ist längst die Regel, nicht die Ausnahme. Weil die Arbeitsbedingungen sehr belastend und die Einkommen zu gering sind, gibt es in Österreich 30.000 Pflegefachkräfte, die es vorziehen, nicht in diesem Bereich zu arbeiten, obwohl dringend Personal gesucht wird.

Deshalb ist es nicht nur im Interesse der Beschäftigten, sondern der gesamten Gesellschaft, dass die Arbeitsbedingungen verbessert werden. Die Forderung der Gewerkschaft nach einer 35-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich wäre eine gute Voraussetzung, die Berufe attraktiver zu machen.

Umso enttäuschender ist die nun getroffene Vereinbarung: 2020 soll es 2,7 Prozent Erhöhung beim Gehalt geben, 2021 nur noch eine Inflationsabgeltung plus 0,6 Pruent. Ab 2022 soll dann die Arbeitszeit bei Vollzeit von 38 auf 37 Stunden reduziert werden.

Diesen nunmehr leicht nachgebesserten Vorschlag hat die Gewerkschaft vor kurzem noch abgelehnt und wollte ihn mit Protesten bekämpfen.

Für die Beschäftigten bedeutet das, zwei Jahre lang auf eine spürbare Gehaltserhöhung verzichten zu müssen, während sich an der Arbeitszeit vorerst nichts ändert.

Claudia Klimt-Weithaler, Klubobfrau der KPÖ im steirischen Landtag: „Die Beschäftigten in den Gesundheits- und Pflegeberufen haben in diesen Tagen der Krise sehr viel Anerkennung und Applaus bekommen. Ohne sie würde das Gesundheits- und Sozialsystem zusammenbrechen. Aber vom Applaus können die Beschäftigten keine Miete zahlen und die Arbeitsbedingungen werden auch nicht besser. Der Applaus wird nicht genügen, um Menschen für diese lebenswichtigen Berufe zu gewinnen.“

Georg Erkinger, Landessekretär der GLB Steiermark (Gewerkschaftlicher Linksblock): „In diesen Berufen herrscht ganzjährig eine hohe Belastung, in Zeiten von Corona sind viele weit über der Grenze des Zumutbaren. Deshalb wäre ein besserer Abschluss wünschenswert gewesen, der die Arbeits- und Lebensbedingungen dauerhaft verbessert. Der Einsatz dafür darf mit diesem Abschluss nicht enden.“

 

1. April 2020