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900.000 Steirer betroffen: Steht der nächtliche ärztliche Notdienst vor dem Aus?

Sorge um ärztlichen Bereitschaftsdienst: KPÖ-„Dringliche“ im Landtag

Der Ärztebereitschaftsdienst außerhalb von Graz wird ab 1. April 2019 komplett umgestellt. Statt 92 Sprengel soll es nur mehr 24 in der ganzen Steiermark geben, die Anfahrtswege werden also deutlich länger. Es gibt massive Bedenken, ob so die Grundversorgung aufrecht erhalten werden kann. Die KPÖ hat deshalb eine Dringliche Anfrage an Gesundheitslandesrat Drexler (ÖVP) eingebracht. Sie wird am 12. Februar im Landtag behandelt.

Nicht nur die räumliche Aufteilung, auch die zeitliche Versorgung wird gekürzt: In der Nacht wird es von 24 Uhr bis 7 Uhr früh weder wochentags noch am Wochenende außerhalb von Graz einen ärztlichen Bereitschaftsdienst geben.

In dieser Zeit wird nur noch das neue Gesundheitstelefon 1450 erreichbar sein. Im Notfall wird zwischen 24 Uhr und 7 Uhr früh ausnahmslos die Rettung im gesamten Landesgebiet im Einsatz stehen (ausgenommen Graz). Von der Änderung des Bereitschaftsdienstes werden etwa 900.000 Menschen in der Steiermark betroffen sein.

Die Ankündigung hat für Verunsicherung beim medizinischen Personal und bei der Bevölkerung gesorgt. Die Verringerung der Anzahl der Sprengel um 75 Prozent bringt mit sich, dass der Bereitschaftsdienst ein viel größeres Gebiet mit dementsprechend mehr PatientInnen umfasst. Viele ÄrztInnen haben schon jetzt erklärt, nicht an diesem Bereitschaftsdienst teilnehmen zu wollen. Die Anfahrtswege würden nämlich drastisch größer, das sei gerade bei Notfällen – und um diese handle es sich ja gerade - problematisch.

KPÖ-Klubobfrau Claudia Klimt-Weithaler: „Die steirische Gesundheitspolitik wird immer mehr zu einer reinen Mangelverwaltung. Ein Angebot nach dem anderen wird gestrichen und zugesperrt, und jetzt verlieren 900.000 Menschen den ärztlichen Notdienst in der Nacht. Was in unserem Bundesland passiert, ist extrem riskant. So darf es nicht weitergehen – wir müssen wieder in die Zukunft unseres Gesundheitssystems investieren, statt die Versorgung zu zentralisieren und in den Regionen auszuradieren.“

Die Beanspruchung des Rettungsdienstes wird sich in der Folge deutlich erhöhen. Auch mit einer noch höheren Inanspruchnahme der Spitalsambulanzen muss gerechnet werden. Positiv am Modell ist lediglich, dass es in Zukunft verpflichtend Hausbesuche in der Zeit des Bereitschaftsdienstes geben soll – was aber in der Praxis kaum möglich sein wird. Da sich jedoch die Sprengelgröße vervierfacht und offenbar bis zu 60.000 Menschen von einem oder zwei Sprengel-ÄrztInnen versorgt werden sollen, wird die Durchführbarkeit des Modells angezweifelt.

6. Februar 2019