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Rotes Kreuz, Not- und LKH-Ärzte schlagen Alarm!

Elke Heinrichs: „Weniger Kapazität bedeutet mehr Risiko“

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Die steirische Bevölkerung darf Sarah Ruckhofer von der Kleinen Zeitung dankbar für ihren aufrüttelnden Artikel sein. 

Aus diesem Bericht um die aktuellen Bedingungen zur Versorgung von Notfällen am Beispiel des Bezirkes Murau geht nämlich drastisch hervor, in welch außerordentlich kritischer Situation sich die Notärzte, „First Responder“ (Freiwillige, die in Sachen Erste-Hilfe-Maßnahmen eingeschult werden), aber auch die Mitarbeiter der Orthopädie-Stolzalpe und vor allen Dingen Patienten und Patientinnen im Bezirk Murau befinden. 

Die Öffnungszeiten der Ambulanz-Stolzalpe sind eingeschränkt: Nach 19 Uhr sowie an Wochenenden gibt es keinen Betrieb mehr, PatientInnen werde oft zu früh aus benachbarten, überlasteten KHs wieder entlassen, „First Responder“ (ohne jegliche ärztliche Kompetenz!) arbeiten unter starker psychischer Belastung, Notärzte müssen zu große Distanzen überwinden (innerhalb eines einzigen Nachtdienstes mussten 600 km zurückgelegt werden!), Rettungsfahrzeuge haben immer längere Anfahrtswege.

Über diese bedrohlichen Zu- und Umstände wurde bereits im August 2015 berichtet. Hintergrund: die 2012 erfolgte Schließung der Internen Abteilung auf der Stolzalpe. Die Beispiele an Kämpfen gegen wertvolle Zeit, welche verstreichen musste, ehe es zur Versorgung und Stationierung von PatientInnen kommen konnte, wurden in ihrer Brisanz geschildert.

Damals bereits habe ich in einem Kommentar darauf hingewiesen, dass der Zeitungsbericht als eine deutliche Überlastungsanzeige angesehen werden muss! 
Der aktuelle Artikel sollte den Verantwortlichen der Gesundheitsressorts diese Mal unter die Haut gehen, denn der Sparstift zur nächsten Unterschrift im Zeichen der Gesundheitsökonomie ist bereits angespitzt.

Ob das im Einsatz stehende Gesundheitspersonal im Bezirk Murau auch der Meinung unseres Herrn Gesundheitslandesrates Christopher Drexler ist, wenn er sagt
„Weniger ist mehr, auch was die Zahl der tatsächlichen Krankenhausstandorte betrifft“, das wage ich sehr zu bezweifeln. 
Jedenfalls rechnet man uns vor, dass bis 2035 von nunmehr 15 steiermärkischen Spitälern nur sieben bis zehn verbleiben können. Erklärtes Ziel: „Qualität und Sicherheit“! Weniger Kapazität im Bezirk Murau bedeutet jedenfalls bereits heute schon ein Mehr an Risiko für alle Betroffenen!


Elke Heinrichs ist biomedizinische Analytikerin am LKH Graz und Gesundheitssprecherin der Grazer KPÖ
 

21. März 2016