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Renate Pacher: Stellungnahme zur Kovats-Pleite

Menschen sind nur Spielbälle von Konzerninteressen

Stellungnahme von Stadträtin Renate Pacher (Knittelfeld) zur Pleite des Kovats-Konzernes A-Tec:

"Vor wenigen Wochen veröffentlichte Mirko Kovats ein Buch, in dem er Österreich als einen „eindeutigen Insolvenzfall“ bezeichnete und 62 Ratschläge gab, wie mit einem solchen umzugehen sei. Nun ist sein Firma A-Tech pleite.

Auch im Film „Let`s make money“ hat er dargelegt, wo für ihn das perfekte Unternehmerparadies liegt. Zum Beispiel in Indien, wo Menschen verhungern und auf den Straßen hausen, „Hier schreit keiner nach dem Staat, hier ist Selbsthilfe angesagt, hier geht’s nur um die Wirtschaft.“, so Kovats. Für die arbeitenden Menschen bei uns hatte er auch schon einen Wunschzettel: „Selbstverständlich wird die Arbeitszeit steigen und ich gehe davon aus, dass diese Mehrarbeitszeit auch in Zukunft nicht bezahlt wird.“

Nun ist der A-Tech-Konzern in Insolvenz. Hunderte Millionen von Verbindlichkeiten und Haftungen machen diese Insolvenz zur drittgrößten Pleite in der österreichischen Wirtschaftsgeschichte. Kovats hat nun ein so genanntes „Sanierungsverfahren mit Eigenverwaltung“ beantragt. Sind die Gläubiger, verschiedene Banken und Privatinvestoren, damit einverstanden, werden die Verbindlichkeiten mit einer Mindestquote von 30 Prozent bedient. Derzeit laufen die Verhandlungen. Auch eine Zerschlagung des Konzerns ist möglich

Kovats hat sein Vermögen (Firmenbeteiligungen, Immobilien....) in zwei Privatstiftungen geparkt. Bis jetzt hat er sich geweigert, bis auf die A-Tech-Aktien, Vermögen aus diesen Stiftungen für die Rettung des Konzerns zur Verfügung zu stellen. Anlegerschützer Wilhelm Rasinger hat kritisiert, dass Kovats in den letzten Jahren unverhältnismäßig viel in seine Privatstiftung geschaufelt habe. Der Dreier-Vorstand der A-Tec habe sich allein 2009 eine Erfolgsprämie von 1,6 Mio. Euro neben einer Million Euro an Fixbezügen ausbezahlt. Es sei davon auszugehen, dass der Vorstandsvorsitzende (Kovats) den Löwenanteil davon kassiert habe. Vor kurzem hat sich Kovats ein eigenes Privat-Flugzeug „gegönnt“.

Der A-Tec Konzern beschäftigt 12.000 MitarbeiterInnen, davon rund 2.000 in Österreich. Noch ist nicht klar, was diese Pleite für sie bedeutet. Auch die ATB in Spielberg gehört zum Kovats-Konzern. In seinem Buch schrieb Kovats über die ATB: „Wir werden den Betrieb sicher nicht Knall auf Fall zusperren, aber über einen gewissen Zeitraum gesehen wird diese Produktion nicht in Österreich bleiben“. Die Beschäftigten der ATB haben mit ihrem Betrieb ein ständiges Auf und Ab erlebt. Nach der Bauknecht-Pleite wurde die Firma von der öffentlichen Hand aufgefangen. Leider haben Betriebsrat und Belegschaft sich nicht gegen eine Privatisierung gewehrt.

Die Beschäftigten der ATB haben in den vergangen Jahren auf Einkommen verzichtet und länger gearbeitet. Viel wird immer vom unternehmerischen Risiko geredet. Um Mirko Kovats wird man sich, auch der Dank seiner Privatstiftungen, keine Sorgen machen müssen. Wohl aber um die Zukunft der Arbeiter und Angestellten seines Konzerns. A-Tec und ATB sind Lehrbeispiele dafür, wohin es führt, wenn Betriebe privatisiert und damit zum Spielball von Konzernen werden.

Wir brauchen ein Umdenken in der Wirtschaftspolitik. Die große Wirtschaftskrise hat gezeigt, dass die Forderung „Weniger Staat und mehr Privat“ eine Propaganda-Lüge auf Kosten der arbeitenden Menschen ist. Die A-Tech-Pleite ist ein weiterer Beweis dafür dass es nicht stimmt, dass Private besser wirtschaften können. Wir brauchen endlich die Steiermark-Holding, damit Betriebe wieder in öffentliches Eigentum kommen. Und wir brauchen eine Gesellschaft, in der der Mensch und nicht die Profite der Konzerne zählen."

2. November 2010