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"Probesitzen" im Grazer Landhaus

APA-Bericht über die 4 KPÖ-Landtagsabgeordneten

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Graz - Nach 35 Jahren ziehen die Kommunisten wieder in ein österreichisches Landesparlament ein: Nach der Landtagswahl vom 2. Oktober, bei der sie 44.247 Stimmen oder 6,34 Prozent (fast plus 540 Prozent) erhielten, kommen sie mit Ernest Kaltenegger als Fraktionsführer zu viert in den steirischen Landtag. Die Angelobung findet nächsten Dienstag (25.10.) in Anwesenheit von Bundespräsident Heinz Fischer statt, schon eine Woche vor der Konstituierung traf sich das Kleeblatt, um in der altehrwürdigen Landstube einmal Probe zu sitzen.

Nach einem Treffen des künftigen KPÖ-Klubs, das noch im benachbarten Grazer Rathaus stattfand, nahmen Kaltenegger, Werner Murgg, Claudia Klimt-Weithaler und Renate Pacher am Dienstag ihre künftige Wirkungsstätte in Augenschein. "Links außen wollten sie uns nicht haben, jetzt sind wir eben die Partei der Mitte", scherzte Klubchef Kaltenegger über die Sitzordnung. Die vier Abgeordneten der KPÖ werden in der Mitte des 56-köpfigen Plenums, rechts der ÖVP, links der Grünen und hinter der SPÖ Platz nehmen.

Fix ist inzwischen auch, dass die KPÖ die FPÖ räumlich beerbt: Der Klub wird in den Schmiedgasse-Trakt des Landhauses einziehen, wo in den vergangenen beiden Legislaturperioden die Freiheitlichen ihr Büro und Sitzungszimmer hatten.

Die Mitglieder des neuen KPÖ-Klubs:

- Ernest Kaltenegger, geboren am 28. November 1949 im obersteirischen Obdach, kam über die SPÖ zur KPÖ. Seine erste Wahl in Graz schlug er 1983: Nur 174 Stimmen Überhang retteten damals den Kommunisten den Verbleib im Gemeinderat. Mit seiner pragmatischen Politik, die sich speziell des Themas "leistbares Wohnen" annahm, avancierte Kaltenegger zum "Engel der Armen" und zur Galionsfigur der KP. 1998 wurde er Stadtrat (den er nun zurücklegte, Anm.), 2003 kam er mit seiner Partei in Graz auf sensationelle 21 Prozent.

- Werner Murgg, geboren am 7. Febraur 1958 in Graz, studierte Philosophie und Geschichte, stieß 1988 "aus weltanschaulichen Gründen" zur KPÖ. Murgg lebt seit 1994 in Leoben, war zuletzt Parteiangestellter und ist seit März d.J. (nicht amtsführender) Stadtrat, der er auch weiter bleiben wird. Seine Lebensgefährtin ist KPÖ-Gemeinderätin in Trofaiach.

- Claudia Klimt-Weithaler, geboren ab 1. Februar 1971 in Fohnsdorf, kommt aus einer kommunistischen Familie, wohnt in Tobelbad bei Graz, ist verheiratet und hat zwei Töchter im Alter von vier und acht Jahren. Sie leitet die Kinderkrippe des Vereins "Modelino" in Graz und engagiert sich in Familien- und Frauenfragen.

- Renate Pacher, geboren am 25. Oktober 1960 in Knittelfeld, ist ausgebildete Chemotechnikerin, verheiratet und war zuletzt Parteiangestellte - wie auch Werner Murgg wird sie sich karenzieren lassen. Ihr Engagement galt und gilt vor allem dem Widerstand gegen die Stationierung von Kampfjets in Zeltweg. (APA)

18. Oktober 2005