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Post kaputt

Briefporto bis zu 200% erhöht

Seit 1. Mai stiegen die Postgebühren um bis zu 200 Prozent. Die Priviatisierungsmanager machen die Post und damit unsere Infrastruktur kaputt. Die Leobener Stadtzeitung "Rund um den Schwammerlturm berichtete. Lesen...

Briefporto immens verteuert

Postvorstand bereitet weitere Privatisierung vor

Mit 1. Mai wurde das Briefporto der Post radikal erhöht. Wenn Post-Vorstand Georg Pölzl den Österreicherinnen und Österreichern einzureden versucht, im Schnitt handle es sich nur um eine Erhöhung um rund zehn Prozent, ist das ein übler Taschenspielertrick. Pölzl zieht dabei lediglich die Erhöhung des Standardbriefes von 55 auf 62 Cent bzw. des Standard-Auslandsbriefes von 65 auf 70 Cent zur Berechnung heran. Dabei ergibt sich im Schnitt tatsächlich „nur“ eine Erhöhung um 10,2 Prozent. Die Wahrheit schaut anders aus:

Die Österreicherinnen und Österreicher versenden natürlich auch Poststücke in anderen Formaten und Gewichtsklassen. Und hier langt die Post auf ungeheuerliche Art und Weise zu. Erhöhungen von mehreren hundert Prozent werden der Bevölkerung zugemutet. Der Vorstand entblödet sich dabei nicht, diesen Raubzug noch mit einer Vereinfachung der Gebühren zu rechtfertigen. Einige Beispiele wie die liberalisierte und für weitere Privatisierungen zugerichtete Post den Kundinnen und Kunden in die Tasche greift: Ein Din-A4 Kuvert, dessen Versand bisher 75 Cent gekostet hat, schlägt jetzt mit 1,45 Euro zu Buche; eine Erhöhung um beinahe einhundert Prozent. Ein Versandstück, das bisher in einem B4-Kuvert, etwas größer als Din-A4, beispielsweise mit 1,25 Euro durchgegangen ist, kostet jetzt 2,90 Euro. Eine Erhöhung um mehr als 130 Prozent. Arm dran sind Versender von Luftpolsterkuverts. Ist das Kuvert dicker als 24 mm werden 3,80 Euro verlangt. Da kann leicht passieren, daß ein Brief der bisher 1,25 Euro gekostet hat, jetzt 3,80 Euro kostet; eine Erhöhung um 200 Prozent. Die Leidtragenden einer derartigen „Geschäftspolitik“ sind nicht nur die Kundinnen und Kunden, sondern auch die Angestellten der Post, die mit dem berechtigten Unmut der Bevölkerung konfrontiert werden, während sich die Postvorstände in ihren Büros hinter Polstertüren „verschanzen“ . Die Postlerinnen und Postler wurden von der teilprivatisierten Post ohnehin schon genug schikaniert; Lohndruck und Streß am Arbeitsplatz durch den immensen Personalabbau stehen seit Jahren auf der „Habenseite“ des Vorstandes. Die Politik des Vorstandes ist nicht nur kundenfeindlich, sie ist auch geschäftsfeindlich. Findige Köpfe, die Kuverts in größerem Ausmaß versenden, werden sich diese Verteuerung kaum gefallen lassen und ins nahe Slowenien oder in die Slowakei ausweichen, um ihre Briefe zu verschicken.

Folgen der Privatisierung
Diese Portoerhöhung ist auch deswegen besonders ungeheuerlich, da der Postvorstand für das erste Quartal, also vor(!) der Erhöhung, einen schönen Gewinn verkündet hat. Offensichtlich soll die Braut für weitere Privatisierungsschritte geschmückt werden. Vorstand Pölzl hat ja in diesem Sinne bereits seine Vorstellungen öffentlich gemacht. Den Postkunden dreht sich ob dieser Politik zu Recht der Magen um, wie man auf den Leserbriefseiten unserer Zeitungen erfährt. In einem Punkt irren die meisten Leserbriefschreiber allerdings: die gewaltige Gebührenerhöhung hat nichts mit dem angeblichen Monopol eines verstaatlichten Betriebes zu tun. Das Gegenteil ist wahr. Solange die Post ein verstaatlichter Monopolist und dem Zugriff der EU-Liberalisierungs- und  –Privatisierungseinpeitscher entzogen war, hat sie blendend funktioniert. Und das mit kundenfreundlichen Preisen und ordentlichen Löhnen für ihre Beschäftigten. Jetzt ist sie zu 49 Prozent privatisiert. Weil die privaten Aktionäre ihre Dividende sehen wollen, werden Preise erhöht, Personal abgebaut und der Service verschlechtert. Weil uns die Postmanager einreden wollen, der Service der Post sei so gut wie noch nie, einige Dinge zur Erinnerung: Früher hat es in der Steiermark mehrere Postämter gegeben, die rund um die Uhr geöffnet hatten. Heute gibt es keines mehr. Früher konnte man einen Expressbrief zu günstigen Tarifen versenden, der sofort(!) zugestellt wurde. Heute gibt es EMS zu schlechteren Bedingungen und ungleich teurer. Früher wurde an den vier Samstagen vor Weihnachten die Post zugestellt. Heute ist das Geschichte…..

30. Mai 2011