ÖVP/FPÖ-Einigung auf 12-Stunden-Tag: Leben wie im Frühkapitalismus

Kommentar von Renate Pacher

Im Frühkapitalismus waren lange Arbeitszeiten, schlechte Bezahlung und soziales Elend Alltag. Es entwickelte sich Widerstand. Unter der Losung: "8 Stunden Arbeit, 8 Stunden Erholung, 8 Stunden Schlaf" fand 1890 der erste große Mai-Aufmarsch der österreichischen ArbeiterInnenbewegung statt. Nach langem Ringen wurde der Achtstundentag endlich Wirklichkeit. Das war im Jahr 1918.

Heute stehen wir vor den Trümmern dieser Errungenschaft. Die künftige ÖVP/FPÖ-Regierung hat bekannt gegeben, dass sie sich auf die Einführung des 12-Stunden-Arbeitstags und einer Wochenarbeitszeit von 60 Stunden geeinigt hat.

Damit steigt die Ausbeutung und die Unternehmer sparen sich die Bezahlung von Überstunden.

Lange Arbeitszeiten sind familienfeindlich und schaden der Gesundheit. Die Erkenntnisse der Arbeitsmedizin zeigen klar: Je länger die Arbeitszeiten, desto größer die Unfallgefahr und desto länger die Zeitspanne, die man braucht, um sich wieder zu erholen. Nach zwei Tagen mit 12 Stunden braucht man drei freie Tage zur Erholung. Langes Arbeiten ohne die unmittelbar darauffolgende nötige Freizeit ist eine Gefahr für die Gesundheit.

Die Arbeitswelt wurde in den letzten Jahren immer brutaler. Angst am Arbeitsplatz und Burn-out nehmen zu. Statt den Arbeitstag zu verlängern brauchen wir eine Verkürzung der täglichen und der Lebensarbeitszeit – mit vollem Lohn- und Personalausgleich! Das wäre gut für die Beschäftigten und erhöht die Chancen für alle, die eine Arbeit suchen.

Die Produktivität ist in den letzten Jahren enorm gestiegen. Heute schaffen wenige viel mehr, und das in kürzerer Zeit. Doch von diesem Produktivitätsfortschritt haben nur die Unternehmer profitiert. Ein 12-Stunden-Tag wirft die Menschen wieder zurück zu den Anfängen der ArbeiterInnenbewegung. Ob sich die WählerInnen - vor allem der FPÖ - das so vorgestellt haben? 

Renate Pacher, KPÖ-Stadträtin in Knittelfeld

7. Dezember 2017