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"Nicht fehlender Straßenbau, sondern Spekulationsblase hat Aichfeld hohe Arbeitslosenzahlen beschert"

Kommentar von KPÖ-Stadträtin Renate Pacher

Wirtschaftstreibende und Politiker von ÖVP, FPÖ und BZÖ machen sich für den vierspurigen Ausbau der S36/S37 stark. Die SPÖ ist in dieser Frage gespalten. Die Befürworter argumentieren, dass dieser Ausbau für die Wirtschaft und die Arbeitsplätze in unserer Region notwendig sei. Aber stimmt das auch?

Zu Zeiten der Verstaatlichten Industrie gab es im Aichfeld Betriebe mit tausenden von Beschäftigten und erstklassige Lehrwerkstätten – auch ohne die vierspurige Straße. Die nachfolgende Privatisierung hat zum drastischen Arbeitsplatzabbau und zur Schließung der Lehrwerkstätten geführt. Nicht der fehlende Straßenbau, sondern das Aufbrechen einer Spekulationsblase in den USA und die darauf folgende Wirtschaftskrise hat dem Aichfeld hohe Arbeitslosenzahlen und Kurzarbeit beschert. Dass die Zukunft der ATB in Spielberg ungewiss ist, hat nichts mit der Straße zu tun, sondern mit der Insolvenz des A-Tec-Konzerns. Zu dieser Insolvenz hat ein Kraftwerksprojekt im fernen Australien wesentlich beigetragen.

Es darf also bezweifelt werden, dass die Sicherheit unserer Arbeitsplätze von diesem Straßenbau abhängt. Der bekannte Verkehrsexperte Hermann Kopflacher hat aber darauf hingewiesen, dass Studien belegen, dass ein Autobahnbau zum Abfluss von Wirtschaftskraft und Arbeitsplätzen hin zu den Zentren beiträgt.

Eines ist ganz gewiss: Der Bau einer vierspurigen Straße bis nach Kärnten ist ein gewaltiger Eingriff in die Natur und es werden Fakten gesetzt, die nicht mehr rückgängig gemacht werden können. Der Transitverkehr mit allen damit verbunden Belastungen, wie Lärm und Abgase, würde drastisch zunehmen. Das gilt nicht nur für die neu geplanten Teilstücke, sondern betrifft alle AnrainerInnen vom Semmering bis nach Judenburg. Deshalb ist es gut, dass sich so viele Menschen gegen den vierspurigen Ausbau wehren und dass die Bundesregierung die Pläne auf Eis gelegt hat.

15. Dezember 2010