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Neumarkt: Enthüllung der Millonig-Gedenktafel verschoben

SJ und KPÖ sehen darin Erfolg der Proteste

Die für Freitag geplante Enthüllung einer Gedenktafel für die Dichterin Agnes Millonig in Neumarkt im Bezirk Murau ist abgesagt worden. Die Kärntner Landsmannschaft machte einen Rückzieher.

Es sei der Verdacht aufgetaucht, dass Millonig bereits 1933 der illegalen Nationalsozialistischen Partei beigetreten ist.

Bis zur vollständigen Klärung der Causa habe man den Festakt der Gedenktafelenthüllung auf unbestimmte Zeit verschoben, hieß es am Donnerstag in einer Erklärung der Landsmannschaft.

Millonig schon 1933 der NSDAP beigetreten?
"In den letzten Tagen wurden auf Anfrage im steiermärkischen Landesarchiv Bemerkungen geäußert, dass Agnes Millonig im Jahre 1933 der Nationalsozialistischen Partei beigetreten sei", hieß es von der Landsmannschaft. In diesem Zusammenhang sei festzuhalten, dass es nicht im Sinne der Kärnter Landsmannschaft sei, ehemaligen NS-Parteimitgliedern eine Ehrung zukommen zu lassen, so die Landsmannschaft.

Proteste von Sozialistischer Jugend und KPÖ
Gegen die geplante Anbringung der Gedenktafel an der ehemaligen Volksschule und jetzigem Heimatmuseum, das zwei Kilometer von Schloss Lind, einem Nebenlager des KZ Mauthausen, entfernt liegt, hatten im Vorfeld die Sozialistische Jugend und die KPÖ sowie die Österreichische Lagergemeinschaft Mauthausen (ÖLM) und das Mauthausen Komitee Österreich (MKÖ) protestiert.

Dichterin einer Kärntner Heimatlied-Strophe
Millonig, die in Neumarkt als Lehrerin wirkte, war vor allem durch die vierte Strophe, die sie für das Kärntner Heimatlied schrieb, bekannt geworden. Kritiker werfen ihr u.a. vor, 1938 dichterisch aktiv gewesen zu sein, um "Das Heilige Ja" zum "Anschluss" Österreichs an Nazi-Deutschland einzufordern.

SJ und KPÖ begrüßen am Donnerstag diesen Schritt und weisen gleichzeitig darauf hin, dass es notwendig ist, den entsprechenden Beschluß des Gemeinderates von Neumarkt aufzuheben. Bürgermeister von Neumarkt ist der FP Politiker Reinhardt Racz, der mit den Stimmen der ÖVP in dieses Amt gewählt wurde.
Der Gedenktafelbeschluß wurde mit den Stimmen von FP, VP und 2 SP gegen die Stimmen von 3 SPÖ-Gemeinderäten gefasst.

(Nach orf on und Aussendung der SJÖ)

8. Juni 2006