"Menschen wollen auf demokratischem Weg die Zukunft ihrer Heimat mitbestimmen"

Ein kurzer Bericht kurz vor Wahlschluss

Sigrid Zitek und Manfred Eber, KPÖ-Gemeinderäte in Graz, sind als Wahlbeobachter beim Referendum über die Errichtung einer unabhängigen Republik Katalonien. Ein kurzer Bericht vor Wahlschluss.

"Ich habe heute acht Wahllokale in Barcelona besucht, zwei weitere waren geschlossen, weil sie von der Polizei zerstört wurden. Um 20 Uhr ist Wahlschluss, dann beginnt die Auszählung der abgegebenen Stimmen. Die Lage ist angespannt, weil mit einem Polizeieinsatz gerechnet wird - vor der Schule, in der ich mich jetzt befinde, stehen hunderte Personen, um sie vor Angriffen zu schützen.

Wahlbeginn war um 9 Uhr. Ich war bereits um 8.30 Uhr unterwegs, da waren vor vielen Lokalen schon lange Schlangen zu sehen. Die Menschen waren ruhig und friedlich, haben stundenlang gewartet, um ihre Stimme abzugeben. Ein Wahllokal, das ich besucht habe, hat erst um 10.30 Uhr geöffnet, weil die Polizei die Computersysteme zerstört hat.

Es ist schön zu sehen, wie die Leute hier Demokratie leben. Trotz aller Repressionen und Einschüchterungsversuche der spanischen Regierung haben sie Mittel und Möglichkeiten gefunden, ihre Stimme anbzugeben. Die Menschen hier wollen wählen, egal, ob sie für oder gegen die Unabhängigkeit Kataloniens sind. Sie wollen auf demokratischem Weg die Zukunft ihrer Heimat mitbestimmen und sich dieses Recht nicht nehmen lassen, auch wenn die spanische Regierung Gewalt einsetzt." (Manfred Eber)

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Von der Polizei verwüstetes Wahllokal in Barcelona

1. Oktober 2017