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"Man muss kein Kommunist sein"...

Investkredit-Chef Stadler bekräftigt Aussage des steirischen KPÖ-Landesprogramms

profil: Ein Zitat: „Allein im letzten Jahrzehnt stieg im Gefolge eigennütziger Überdehnungen des im Interesse des Managements anonymer Kapitalgesellschaften gelegenen Shareholder-Value-Modells der Einkommensunterschied zwischen einfachen Beschäftigten der größten Unternehmen und ihren Vorständen gegenüber den achtziger Jahren um eine Zehnerpotenz.“
Stadler: Das stammt von mir und bezieht sich auf die 500 größten US-Unternehmen. Wenn wir derartige Verhältnisse kritiklos importieren, dann würde das bei uns mittelfristig zu einer Legitimierungsschwäche der Marktwirtschaft führen.
profil: Ich lese Ihnen ein anderes Zitat vor: „Mit dem Konzept des Shareholder Value gehen die Aktiengesellschaften im Interesse kurzfristiger und rein spekulativer Anleger zur Substanzverschleuderung der Betriebe über, nur um die Aktienkurse permanent nach oben zu treiben.“
Stadler: Das ist aber nicht von mir.
profil: Wissen Sie, woher das Zitat stammt?
Stadler: Nein.
profil: Es ist aus dem Wahlkampfprogramm der steirischen KPÖ.
Stadler: Das erklärt den Akzentunterschied. Aber ich stehe zu meinen Aussagen. Man muss kein Kommunist sein, um zur Auffassung zu gelangen, dass übertriebenes, ideologisiertes Umgehen mit dem Begriff des Shareholder Value zu gesellschaftspolitischen Fehlentwicklungen führt.

(Aus profil, Nr.: 05/06). Interview mit dem Leiter der Investkredit-Bank, Wilfried Stadler".

30. Januar 2006