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LKH – Alles wird gut?

Kommentar von Stadträtin Renate Pacher

Mit einer Feier und einem Tag der offenen Tür wurde die Generalssanierung des Mittel- und Westtraktes des LKH Knittelfeld gefeiert. Bei allem Jubel sollte nicht vergessen werden: Unsere Region hat einen hohen Preis bezahlt.

Gegen den Willen der Bevölkerung - eine Bürgerinitiative hat tausende von Unterschriften gesammelt - wurde 1997 der Spitalsverbund zwischen Knittelfeld und Judenburg durchgedrückt. Das sei eine „Pioniertat“, mit diesem Modell sei „österreichweit die größte Kostendämpfung“ erzielt worden“, so erfuhren wir es in den Festreden. Was hat das der Bevölkerung gebracht?

Selbst kleinste Verletzungen werden nicht mehr in Knittelfeld behandelt. Eine Fahrt ins LKH Judenburg, ein deutlicher Anstieg der Rettungsfahrten, lange Wartezeiten in den Ambulanzen, längere Wege für die PatienInnen und Besucher sind die Folgen. Aus der Managersprache übersetzt bedeutet „größte Kostendämpfung“ weniger Personal und weniger Leistungen.

Dass die Krankenhäuser saniert wurden und neue Abteilungen gekommen sind ist gut. Aber die Sanierungen waren dringend nötig und neue Abteilungen entsprechen der Entwicklung in der Medizin. Das mit der Zustimmung zum Spitalsverbund zu verknüpfen hat den Beigeschmack von Erpressung.

Wie sieht die Zukunft aus? Steiermarkweit wollen SPÖ und ÖVP über 700 Spitalsbetten streichen. Krankenhäuser und ganze Abteilungen sollen geschlossen werden. Auch unserer Region ist betroffen. Auf der Stolzalpe sollen die Orthopädie-Betten reduziert, die interne Abteilung nach Knittelfeld verlegt werden. Auch im Spitalsverbund Knittelfeld-Judenburg soll es weniger Betten geben.

Kürzlich wurde bekannt, dass das LKH-West in Graz privatisiert werden soll. Der erste Ausverkauf eines Krankenhauses in der Steiermark - ein Tabubruch. Gibt es keinen Widerstand und gehen diese Pläne durch, dann darf bezweifelt werden, dass das Versprechen des neuen Kunstwerkes am Gelände des LKH Knittelfeld „Alles wird gut“ auch für das steirische Spitalswesen gilt.

Renate Pacher, KPÖ-Stadträtin in Knittelfeld

4. Juni 2012