LKH Bad Aussee: Eine von oben gesteuerte Personalkrise?

Trotz Ärztemangels "kein Bedarf“ an Chirurgen

Für Aufsehen sorgt derzeit ein offener Brief eines Arztes aus Bad Aussee an die steirische Gesundheitslandesrätin Juliane Bogner-Strauß (ÖVP). Darin wird der Vorwurf erhoben, dass die Personalknappheit, mit der die Spitalsschließungspläne gerechtfertigt werden, künstlich erzeugt sind. Zwei Chirurgen, die sich beworben hatten, erhielten wegen „mangelnden Bedarfs“ eine Absage. Die KPÖ wird dazu die Landesrätin in der kommenden Landtagssitzung am 19. Jänner befragen.

Seit vielen Jahren gibt in der steirischen Landesregierung Pläne, das Landeskrankenhaus in Bad Aussee zu schließen. 2009 konnte das nur durch ein gemeinsames Vorgehen von KPÖ und ÖVP verhindert werden. ÖVP und SPÖ treten nun allerdings gemeinsam für eine Schließung aller drei Spitäler im Bezirk Liezen ein, die durch einen umstrittenen Neubau in Stainach ersetzt werden sollen.

Um die Ausdünnung der Spitalsstandorte zu legitimieren, werden die bestehenden Häuser offenbar künstlich ausgehungert: Patientinnen und Patienten werden an andere Standorte weitergeleitet, für Personal gibt es angeblich nur noch dort Bedarf, wo auch künftig noch Krankenhäuser betrieben werden sollen. Am Standort Bad Aussee werden dem Vernehmen nach auch keine Turnusärztinnen und -ärzte mehr zugeteilt. In Verbindung mit anderen Maßnahmen wie der Abschaffung des notärztlichen Bereitschaftsdienstes in der Nacht außerhalb von Graz ist die medizinische Versorgung in der Steiermark in eine Krise geraten.

Besonders deutlich wird die Notlage im Bezirk Liezen, dem flächenmäßig größten Bezirk Österreichs. Dort stehen derzeit mit den Standorten Bad Aussee, Rottenmann und Schladming nur 4,2 Betten pro 1000 Einwohner zur Verfügung. Nach der geplanten Realisierung des Leitspitals würden pro 1000 EW nur noch 2,8 Betten (!) zur Verfügung stehen. Ein bedenklich niedriger Wert im österreichweiten Vergleich, wo es durchschnittlich 10 Betten sind.

8. Januar 2021