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Letzter Landtag für Ernest Kaltenegger

..nach 30 Jahren politischer Schwerarbeit

Letzter Landtag für Ernest Kaltenegger
Ein Kommunist, dem europaweit eine bescheidene und ehrliche Art, Politik zu machen, attestiert wird, hat am Mittwoch seine letzte Landtagssitzung absolviert. Grund sind gesundheitliche Probleme.

Kaltenegger bestritt am Mittwoch seine letzte Landtagssitzung
Mit ihm war es den Kommunisten erstmals nach Jahrzehnten wieder gelungen, bei Kommunal- und Landeswahlen zu einer relevanten Größe zu werden.

1998 zog er in die Regierung der steirischen Landeshauptstadt ein, 2003 toppte der gebürtige Obersteirer mit nahezu unglaublichen 20,9 Prozent, zwölf Mandaten und zwei Senatssitzen diesen Erfolg in Graz. Mit immerhin 6,34 Prozent gelang dem inzwischen in die Landespolitik Gewechselten 2005 quasi aus dem Stand der Sprung auf Platz drei vor den Grünen. Nun zieht er sich - wie bereits im Frühjahr 2009 angekündigt - aus gesundheitlichen Gründen zurück.

Ernest Kaltenegger, geboren am 28. November 1949 im obersteirischen Obdach, aufgewachsen bei seinen Großeltern, sammelte seine ersten politischen Erfahrungen 1965 bis 1971 bei der SPÖ. "Der Widerspruch zwischen Wort und Tat" habe ihn dann zur KPÖ wechseln lassen. Mit seiner ruhigen Art und von einem ihm eigenen verschmitzten Lächeln unterstützt, konnte der Pragmatiker Berührungsängste zur KPÖ abbauen. Bei seiner ersten Wahl 1983 gelang es ihm, mit 174 Stimmen Überhang ein Gemeinderatsmandat zu retten - dann ging es bergauf. Vor allem der 1992 eingerichtete "Mieter-Notruf" traf die Bedürfnisse Wenigbegüterter.

Image als "Nothelfer"
Sein Image als "Nothelfer" und "Engel der Armen" pflegte Kaltenegger bewusst, auch wenn er die Bezeichnung stets ablehnte und sich nüchtern als "Dienstleister" bezeichnete. Einen Teil ihres Gehalts widmeten er und seine Mandatare stets sozialen Zwecken, Ende Dezember findet regelmäßig der "Tag der offenen Konten" statt. Seine Auftritte drehten sich zwar auch um Fragen wie die Verhinderung von Privatisierungen öffentlichen Eigentums, vornehmlich punktete er aber mit abgewendeten Delogierungen und mit Duschen nachgerüsteten Substandard-Gemeindewohnungen. Sein zuletzt im Landtag leidenschaftlich und für seine Verhältnisse zornig vorgetragenes Anliegen - harte gesetzliche Schritte bzw. Verbot gegen das Automatenglücksspiels - fand bei SPÖ und ÖVP keine Unterstützung.

Sein Privatleben behielt Kaltenegger stets gerne für sich. Er hat einen Sohn, ist geschieden, lebt bescheiden und fährt mit dem Fahrrad oder mit seinem Skoda zu Auswärts-Terminen. Zu einem Engagement auf Bundesebene ließ er sich nie bewegen. Wie die KPÖ unter der Spitzenkandidatin Claudia Klimt-Weithaler bei der Wahl am 26. September ohne Kaltenegger abschneiden wird, ist Gegenstand heftiger Spekulationen. Nach Klimt-Weithalers Dankesworten an Kaltenegger in der letzten Landtagssitzung gab es jedenfalls freundlichen Abschiedsapplaus.

(KLeine Zeitung online. Apa)

7. Juli 2010