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Kurt Palm: "Über den Tellerrand"

Der Kandidat, dem die KPÖ-Steiermark vertraut, stellt EU-Heuchelei bloß

"Über den Tellerrand"
In Österreich läuft zurzeit eine EU-Werbekampagne

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In Österreich läuft zurzeit eine EU-Werbekampagne mit dem Slogan "über den Tellerrand". Machen wir also einmal eine kurze Wahlkampfpause und schauen "über den Tellerrand": Der Giftmüllskandal, der dieser Tage aufgedeckt wurde, zeigt anschaulich, wie die vielbeschworene Globalisierung heute tatsächlich funktioniert: Da transportiert ein griechischer Frachter unter panamesischer Flagge mit russischer Besatzung Giftmüll aus den Niederlanden an die Elfenbeinküste und verteilt ihn auf mehrere Deponien in der Hauptstadt Abidjan.

Daraufhin kommen etwa 10.000 Menschen ins Spital, von denen bereits ein Dutzend gestorben sind. Das Ganze interessiert in Europa natürlich niemanden, denn was gehen uns "die Neger da unten" an, sollen sie doch mit dem Dreck machen, was sie wollen. Aber das Bild von Afrika als Endlager für den europäischen Giftmüll hat es schon in sich, zeigt es doch, dass das ganze Gerede von den Chancen der Globalisierung auch für die Länder der sogenannten "dritten Welt" nichts als Propaganda des international agierenden Kapitals ist. Natürlich beteuern einige EU-Politiker pflichtschuldig, dass man versuchen werde, die Schuldigen zu finden, aber bis es soweit ist, wird die für diese mörderische Fracht verantwortliche Firma längst Konkurs angemeldet haben und unter einem anderen Namen weiterarbeiten.

Interessant ist dieser Vorfall auch vor dem Hintergrund der neuen Handgepäcks-Regelung in der EU, wonach Flüssigkeiten nur mehr in kleinen Mengen bzw. versiegelt mit an Bord eines Flugzeuges genommen werden dürfen. Während man also bei Privatpassagieren jeden Milliliter Haarshampoo kontrolliert, kann ein großes Unternehmen ungehindert ein paar tausend Tonnen Giftmüll von den Niederlanden an die Elfenbeinküste transportieren, obwohl der Transport europäischen Giftmülls nach Afrika gesetzlich ausdrücklich verboten ist. Aber wie heißt es schon bei Karl Marx:

"Bei 100 Prozent Profit stampft das Kapital jedes Gesetz unter seinen Fuß und bei 300 Prozent gibt es kein Verbrechen, das es nicht begeht, selbst auf die Gefahr des Galgens."
(Kurt Palm)
Aus Standard at.

Es ist sehr erfreulich, dass Kurt Palm der EU-Kompatibilität, die bei manchen Linken (darunter auch einigen Funktionären der Bundes-KPÖ) immer stärker zum Vorschein kommt, die Fakten entgegensetzt.
F. St. P.

14. September 2006