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KPÖ steht für Politikwechsel

Kleine-Zeitung-Gespräch mit F. St. Parteder

Ob sie uns wieder wählen dieses Mal?“

Wer was Altes will, der wählt ÖVP oder SPÖ. Wer was Neues will, wählt Hans-Peter Martin oder die Grünen. Wer wählt KPÖ?

FRANZ-STEPHAN PARTEDER: Wir haben es in den letzten Jahren geschafft, zu zeigen, dass wir eine nützliche Partei für die Menschen sind, ganz konkret auch dadurch, dass unsere Mandatare einen Großteil ihres Einkommens für soziale Zwecke verwenden. Das ist natürlich vor allem Ernest Kaltenegger zu verdanken, aber diese Haltung findet Zuspruch. Und das ist auch deshalb wichtig, weil die politischen Spielereien zwischen den Parteien immer weniger Leute interessieren.

Was ist Ihr Wahlziel?

PARTEDER: Ich hoffe schon, dass wir deutlich dazugewinnen werden, aber die Erfolge der Gemeinderats- und Landtagswahl sind ein anderes Kaliber. Wir sind aufgestiegen von der zweiten Liga Süd-Ost in die 1. Division, jetzt heißt es RedZac-Liga, aber da müssen wir uns jetzt noch konsolidieren.

Was kann der Kaltenegger, was andere nicht können?

PARTEDER: Ich halte ihn für einen der begabtesten Politiker in Österreich. . .

Der große Rhetoriker ist er aber gar nicht.

PARTEDER: Es geht ja nicht um Rhetorik. Er ist ein Mensch, der etwas beherrscht, nämlich die Wahl des richtigen Zeitpunktes, um etwas auszusprechen. Und es ist ihm gelungen, diese Arbeit in einem guten Team zu machen.

Ist Ihnen bang um die Zukunft einer Partei, die sich heute über weite Strecken als Kaltenegger-Fanclub versteht?

PARTEDER: Es ist ja mehr als ein Kaltenegger-Fanclub. Es geht ja um soziale Inhalte, darum, dass immer mehr Menschen sehen, dass es so nicht weitergehen kann. Wenn sogar der Claus Raidl im Interview mit Ihrer Zeitung sagt, der Kapitalismus kann sich nur halten, wenn er das Verteilungsproblem löst, dann muss ja was nicht stimmen.

Sie sind ein Leitfossil der kommunistischen Bewegung, außerhalb der KPÖ aber kaum bekannt. Was bieten Sie persönlich als KPÖ-Spitzenkandidat Ihrem Wähler?

PARTEDER: Über sich selbst redet keiner gern. Ich glaube, dass man wissen soll, dass ich zum Team von Ernest Kaltenegger gehöre, und zwar schon seit geraumer Zeit, seit dem 2. Mai 1973, als er mich zur KPÖ geworben hat. Jeder Mensch hat viele Seiten, auch ich, nicht nur die rein politische. Ich sehe jetzt das, was ich vor 30, 35 Jahren gemacht habe, die Beatles-Übersetzungen, die Music-Box im Radio auch als einen Teil meiner selbst, auf den ich mich wieder stärker beziehen möchte. Wir werden über unseren Bildungsverein verschiedene Veranstaltungen machen, mit meinen Beatles-Versionen, Kurt Palm wird lesen aus dem Kapital, Erich Hackl wird lesen zum Thema Spanischer Bürgerkrieg, wir werden also die musische Seite, die auch unsere Bewegung immer hatte, wieder stärker berücksichtigen.

Wie groß sind Ihrer Meinung nach die Chancen auf ein Mandat für die KPÖ?

PARTEDER: Die Papierform spricht gegen uns. Es wäre ein Erfolg nötig, der deutlich größer ist als bei der Gemeinderatswahl in Graz. Da hatten wir 22.000 Stimmen, bei der Landtagswahl 44.000 Stimmen in der Steiermark. Aber ob die jetzt alle wieder KPÖ wählen?

Wo sehen Sie die KPÖ in 20 Jahren?

PARTEDER: Ich sehe sie entweder selbst als linke Kraft, die österreichweit der Anziehungspunkt für Menschen ist, die eine gesellschaftliche Veränderung wollen, oder als Teil einer solchen Kraft, mit linken Flügeln der Gewerkschaft oder der SPÖ.

Bleibt 2006 in der Steiermark die SPÖ mit der Nase vorn?

PARTEDER: Ich glaube, sie liegt besser, als gesagt wird, insgesamt, und die ÖVP liegt nicht so gut, wie getan wird. Das sieht man auch in den Umfragen: Die Menschen haben sich abgewandt von der SPÖ wegen des Skandals, aber die ÖVP hat davon kaum profitiert. Und in der Steiermark, da gibt es ein Kopf-an-Kopf-Rennen, der Vorsprung der SPÖ war ja nicht so groß.

Was hat sich verändert durch die letzte Landtagswahl?

PARTEDER: So einen Landtag, mit einer derartigen Möglichkeit einer linken Mehrheit, hat es noch nie gegeben, das wird aber viel zu wenig ausgenützt.

Wer ist schuld? SPÖ oder KPÖ?

PARTEDER: Ich glaube eher die SPÖ. Unser Landtagsabgeordneter Werner Murgg hat auch bei der Budgetrede wieder gesagt: Wir wären für einen Politikwechsel zu haben, aber nicht nur als Beiwagerl. Gott sei Dank wird es immer normaler, dass wir in der Steiermark Politik mitgestalten. INTERVIEW: CLAUDIA GIGLER

(Kleine Zeitung, 19.8. 06)

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30. Mai 2009