Klimakrise: Weder Steinzeit noch individueller Verzicht

Österreich ist EU-weit Spitzenreiter bei der Versiegelung der Böden

Es ist eine Binsenweisheit zu sagen, dass es extreme Wetterereignisse schon immer gegeben hat. Mit diesem Argument aber die Realität der Klimakrise zu leugnen ist gefährlich. Es brauchte nicht erst die jüngsten Hagelschauer und Hochwässer in Graz um uns zu zeigen, dass die Klimakrise nicht die Zukunft betrifft – sie ist schon hier.

Es ist vielfach belegt, dass extreme Wetterereignisse sich in den letzten Jahren häufen und dass sie zerstörerischer werden. Schon ein geringer Anstieg in der durchschnittlichen Temperatur kann große Folgen haben. Dazu kommt die massive Bodenversiegelung, die bei starkem Regen verhindert, dass der Boden das Wasser aufnehmen kann. Österreich ist EU-weit Spitzenreiter beim Voranschreiten der Bodenversiegelung und die Bautätigkeit in Graz, das stetige Zerstören von Grünraum durch die Baupolitik von Bürgermeister Nagl im Interesse des Kapitals ist bekannt.

Auf Bundesebene hat Kanzler Kurz eine „Debatte“ über Klimaschutz losgetreten, indem er meinte der einzige Weg sei Innovation, denn Verzichtspolitik sei der Weg zurück in die Steinzeit. Dabei verschleiert er damit vor allem Eines: die ökologische Krise kann nicht durch Innovation gelöst werden, sondern nur durch eine Veränderung wie wir als Gesellschaft leben.

Auch Appelle an individuellen Verzicht bringen uns nicht weiter. Diejenigen, die ohnehin kaum noch verzichten können werden damit nur noch weiter ausgegrenzt, diejenigen die verzichten müssen werden das von sich aus kaum machen. Deswegen müssen wir darüber sprechen, wie produziert wird und wer von den bestehenden Verhältnissen profitiert.

Studien zeigen, dass nur eine Handvoll von großen Firmen (ca 100) für über 70% der weltweiten Treibhausgasemissionen der letzten Jahrzehnte verantwortlich sind und dass das reichste 1% der Weltbevölkerung doppelt so viel CO2-Ausstoß verursacht wie die ärmsten 50%!

Es geht also um Klimagerechtigkeit – im Hier und Jetzt. Es geht darum, dass wir unsere Städte und Gesellschaft so gestalten, dass ein gutes Leben für alle und nicht nur für einige wenige möglich ist.

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Ein Kommentar vom steirischen Journalisten Max Zirngast

Max Zirngast

2. August 2021