Kinderbetreuung: Warum immer weniger in diesem Beruf arbeiten wollen

„Statt kleineren Gruppen gibt es kleinere Räume“

Am 24. Jänner ist Tag der Elementarbildung. Die steirische KPÖ-Klubobfrau Claudia Klimt-Weithaler und die Elementarpädagogin Mina Naghibi luden aus diesem Anlass zu einem Pressegespräch, in dem über die Krise der Kinderbetreuung in der Steiermark und die Lösungsvorschläge der KPÖ zur Sprache kamen.

„Kinderbetreuungseinrichtungen sind keine Aufbewahrungsstellen für Kinder. Sie sollen die Kinder auf die Schule vorbereiten und ihnen soziale Fertigkeiten vermitteln. Dafür gibt es hoch qualifiziertes und engagiertes Personal. Die Rahmenbedingungen stimmen aber ganz und gar nicht. Deshalb sind derzeit auch so viele Stellen in der Steiermark unbesetzt. Wir müssen dringend etwas ändern“, appelliert KPÖ-Klubobfrau Claudia Klimt-Weithaler an die neue steirische Bildungslandesrätin Bogner-Strauß.

 

Mina Naghibi, die in einer Grazer Kinderkrippe arbeitet, schilderte den Arbeitsalltag in einer steirischen Kinderbetreuungseinrichtung. Qualitativ hochwertige Arbeit mit den Kindern findet zwar statt, aber bei kleineren Gruppen und mit weniger Bürokratie, die „nebenbei“ erledigt werden muss, bliebe viel mehr Zeit für die Kinder, die im Vordergrund stehen sollten.

Schon 1991 beschloss der steirische Landtag, die Gruppengröße in Kindergärten von 25 auf 20 zu senken. Die Regelung sollte 1994 in Kraft treten. Kurz davor wurde die Gruppengröße wieder mit 25 festgelegt. Bis heute hat sich daran nichts geändert – dafür wurde 2019 bei der letzten Novelle des Kinderbildungs- und –betreuungsgesetzes die vorgeschriebene Raumgröße nach unten korrigiert. Auch Überschreitungen der Gruppengröße um bis zu zwei Kinder sind möglich. „Statt kleineren Gruppen gibt es jetzt kleinere Räume. Daran erkennt man, dass die Entwicklung nicht in die richtige Richtung geht“, so Klimt-Weithaler.

Große Versäumnisse im neuen steirischen Gesetz sind:

  • Die Verkleinerung des Raumangebots und der Freispielflächen;
  • der unzureichende Personalschlüssel;
  • die versprochene Freistellung von LeiterInnen ist zu gering und praxisfremd;
  • die Nachmittagsbetreuung erfolgt mit geringerer Qualität.

 

Dass unter diesen Vorzeichen das Wohl der Kinder nicht an erster Stelle steht, liegt auf der Hand. Die KPÖ kündigte daher an, die Elementarbildung wieder zum Thema im Landtag zu machen und entsprechende Vorschläge einzubringen. Schwerpunkte einer Reform, die diesen Namen verdient, müssen folgende Punkte umfassen:

  • Verkleinerung der Gruppen, damit alle Kinder bestmöglich gefördert werden können.
  • Die gut ausgebildeten PädagogInnen sollen sich auf die Kinder konzentrieren können, statt einen großen Teil der Arbeitszeit mit bürokratischen und administrativen Arbeiten zu verbringen.
  • Es gibt zu viele Teilzeitstellen: Das Gehalt bei einer typischen Halbtagsstelle in einer Kinderbetreuungseinrichtung liegt bei unter 1000 Euro. Das ist in den Ballungszentren zu wenig zum Leben.
  • Die KPÖ tritt außerdem für eine soziale Staffelung der Tarife in allen Bereichen der Elementarpädagogik ein.

22. Januar 2020