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Universität Graz: Hörsaal nach Willi Gaisch benannt

Ehrung für ehemaligen Widerstandskämpfer und steirischen Kommunisten Gaisch (1922-2009)

In Erinnerung an den Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime und ehemaligen Vorsitzenden der steirischen KPÖ Willi Gaisch (1922-2009) wurde am 10. Dezember 2010 der Hörsaal A der Universität Graz in Willi-Gaisch-Hörsaal umbenannt.
 

Die Umbenennung erfolgte auf Initiative der Studierendenvertretung und Unibrennt-Bewegung. Willi Gaisch erlitt im Dezember 2009 im damals besetzten Hörsaal A der Karl-Franzens-Universität Graz vor hunderten ZuhörerInnen einen Schlaganfall, an dessen Folgen er wenige Stunden später verstarb.

Die Universität Graz gab dem Hörsaal A nun seinen Namen. Am 10. Dezember 2010 wurde eine Gedenktafel enthüllt.

Rede von Hanno Wisiak, Historiker und Freund von Willi Gaisch

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Kolleginnen und Kollegen!

Zuerst möchte ich als Angehöriger der Karl-Franzens-Universität Graz sagen, dass ich stolz bin. Stolz, weil die Uni Graz ein Zeichen setzt, in Zeiten, in denen an anderen Unis die Namen der Hörsäle, ähnlich wie bei Fußballstadien, an den Meistbietenden verkauft werden.

Als vor einem Jahr dieser Hörsaaltrakt besetzt war, um gegen eklatante Unterfinanzierung der österreichischen Universitäten und für bessere Studienbedingungen zu protestieren, war Willi Gaisch solidarisch. Trotz angeschlagener Gesundheit hat er es sich nicht nehmen lassen, ins Taxi zu steigen, um am 5. November 2009 an der Demonstration von tausenden Studierenden teilzunehmen.

In diesem Hörsaal wollte er am 10. Dezember 2009 vor 250 Uni-BesetzerInnen die Brücke schlagen zwischen dem antifaschistischem Kampf in den Jahren 1934–45 und den Protesten heute an den Universitäten und anderswo. Mitten in seinen Ausführungen ist er zusammengesackt und am nächsten Tag den Folgen seines Schlaganfalles erlegen.

Jetzt möchte ich als Willis Freund und jemand, der faktisch seinen ganzen letzten Tag mit ihm verbracht hat, sprechen. Ehrungen waren ihm immer ein bisserl unangenehm, und ich glaube eine solche Tafel hätten ihm nicht gerade behagt. Gefallen hätte ihm jedoch, dass nach weniger als einem Jahr nach der Protestbewegung, an der er solchen Anteil genommen hat, Rektorat, Studierende, Lehrende und Allgemeinbedienstete gemeinsam auf der Straße sind, um für ihre Anliegen, für ihre Rechte zu kämpfen.

Deshalb ist diese Tafel ein nicht nur eine Gedenktafel für einen mutigen und vorbildlichen Menschen. Sie ist auch ein Symbol für das, wofür er gestanden ist – von einer Zeit an, in der er als Jugendlicher sein Leben dafür aufs Spiel gesetzt hat, bis buchstäblich zuletzt.

Diese Tafel ist ein Symbol für Zusammenhalt und Solidarität und der daraus resultierenden Stärke.

10. Dezember 2010