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Kaltenegger: Bescheidenheit und Realismus

Interview im Kurier

Kandidat Kaltenegger? "Das wär´ ja unernst"


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Kandidat Kaltenegger? "Das wär´ ja unernst"

Interview im Kurier von Elisabeth Holzer

"Ja mei, des müssens S´ die Leut´ fragen, warum das so ist." Bescheidenheit ist eine Zier, bei Ernest Kaltenegger ist Understatment ein Teil des Auftretens: Der steirische Klubobmann der KPÖ ist laut APA/OGM-Ranking der Politiker, dem die Steirer am meisten vertrauen. Mit einem Wert von 31 Prozent hat Kaltenegger sogar SP-Landeshauptmann Voves auf den zweiten Platz verwiesen.

Kaltenegger lächelt freundlich und freut sich schon irgendwie. "Aber so was sollt´ man nicht überbewerten. Die eigentliche Abstimmung findet bei den Wahlen statt." Aber auch dort haben die Kommunisten zuletzt immer nur gewonnen: Mit dem Grazer Wohnungsstadtrat an der Spitze schaffte man aus dem Stand vier Mandate im Landtag. Die ÖVP dürfte da vorher genaue Umfragen gehabt haben, die derlei prognostizierten, hat sie doch "für den Kampf gegen uns fast mehr ausgegeben, als wir für den ganzen Wahlkampf", wundert sich Kaltenegger.

Dennoch oder deshalb sitzt er also seit einem knappen dreiviertel Jahr mit drei Mitstreitern im Landtag, ist Vize-Chef des Spital-Untersuchungsausschusses und stimmt mal mit der ÖVP, mal mit der SPÖ. "Wir denken mit eigenem Kopf und sind nicht mit einer anderen Partei verheiratet. Wenn wir der Meinung sind, eine Sache ist gut, dann werden wir sie unterstützen." So gab es ein tiefrotes Placet für eine ordentliche Gehaltserhöhung für die Landesbediensteten ebenso wie für den "Strombonus".

Roter Oktober: Sieben Jahre lang war Kaltenegger Stadtrat in Graz. Ein Faktotum, das von den anderen Parteien zunächst nicht so richtig eingeschätzt werden konnte. Seit 2003 ist die KPÖ mit mehr als 20 Prozent der Stimmen drittstärkste Kraft in Graz und spätestens seit dem Landtagswahlkampf zücken die anderen Parteien die kommunistische Karte, um vor dem "waschechten Staatslenker" oder dem "marxistischen Gesicht" zu warnen und zur "Jagdt auf Roter Oktober" zu blasen.

Den Schwung vom Vorjahr wollen die Kommunisten auch für die Nationalratswahl nützen. Steirischer Spitzenkandidat ist aber nicht Kaltenegger, sondern Parteistratege Franz-Stephan Parteder. "Es war von vornherein klar, dass ich nicht kandidiere, das wär´ ja unernst", kommentiert Kaltenegger. "kommentiert Kaltenegger. "Dann sagen die Leut´: Jetzt spinnt er völlig. Grad haben wir ihn in den Landtag gewählt, will er schon wieder woanders hin."

Freilich, ganz ohne Kaltenegger geht es nicht: Einen Radiospot werde er aufnehmen, bei Veranstaltungen dabei sein und am Info-Stand. Die Chance auf ein Grundmandat gibt es nur in Graz, aber da ist sie wieder die Bescheidenheit: Den Sprung in den Nationalrat hält er für unmöglich. "Da tu´ ich nicht tiefstapeln. Das ist utopisch." Ein prozentueller Zuwachs würde ihm schon reichen. "Dass man sieht, wir sind wahrnehmbar."

1. August 2006