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"Ich kann nicht autofahren"

Franz Stephan Parteder im Spitzenkandidatencheck des "Falter"

"Kann nicht Autofahren"

Franz-Stephan Parteder (KP) steht statt Wählerliebling Ernest Kaltenegger in der Steiermark an vorderster Front. Für die Zukunft kann er sich Enteignungen, gemeinschaftliche Produktionsformen und die Auflösung der EU vorstellen.

Falter: Der nächste Kanzler?
Franz-Stephan Parteder: Von der ÖVP, wahrscheinlich Schüssel.

Das letzte Mal gelogen?
Ich versuche nicht zu lügen. Ich führe keine Aufzeichnungen über derartige Dinge. In politischen Dingen nie.

Was hat Ernest Kaltenegger, was Sie nicht haben?
Er ist freundlich und nett zu allen, und er hat mehr Geduld als ich.

Warum die Beatles, nicht die Rolling Stones?
Die Beatles sind Arbeiterklasse, die Rolling Stones sind Bürgersöhnchen.

Hat die KPÖ Zukunft?
Wir werden in der Steiermark und hoffentlich in ganz Österreich immer mehr in das tägliche Leben der Menschen einbezogen. Deshalb wird es eine Zukunft geben, als eine Partei, die jene Elemente, die wir in der Steiermark entwickelt haben, auch österreichweit verbreitet. Eine soziale Partei, die für das tägliche Leben da ist, aber auch versucht, Antworten auf die großen gesellschaftlichen Fragen zu finden.

Enteignung?
Das Gesellschaftssystem, in dem wir jetzt leben, produziert immer größere Probleme. Es darf nicht verboten sein, über Alternativen nachzudenken, und da ist die Frage einer gemeinschaftlichen Produktion anstelle der Konzerne eine, die man stellen kann.

Gemeinschaftliche Produktion und Enteignung - stellen Sie sich so die Zukunft vor?
Eine ferne Zukunft. Jetzt geht's darum, die ärgsten Angriffe auf die sozialen Rechte der Menschen abzuwehren. Man kann zwar sagen, eine andere Welt ist möglich, aber wie man dorthin kommt und wie das genau geht, das ist ein sehr langwieriger Prozess.

Wann soll Österreich aus der EU austreten?
Ich glaube, dass die EU selbst in so große Schwierigkeiten kommt, dass sich die führenden Länder überlegen, ob die EU ihren Profitinteressen noch dient.

Wann könnte es so weit sein?
Ich habe aus der Geschichte unserer Bewegung gelernt, dass es falsch ist, wenn sich Marxisten oder Linke als Propheten aufspielen. Ich bin schon lange Kommunist, ich bin mit Prophezeiungen schon öfter auf die Schnauze gefallen. Ich habe ja auch keinen Führerschein gemacht, weil ich geglaubt habe, dass sich der Privat-Pkw aufhören wird. Das war auch eine grobe Fehleinschätzung.

Dann liegen Sie womöglich mit der EU auch falsch.
Ja, das könnte sein. Ich hoffe aber, dass ich mich in dieser Frage nicht irre.

Ist Kuba gut?
Die Geschichte der Revolution ist gut, weil Sie sich der Allmacht der USA entgegengestellt hat. Auf Kuba gibt es ein gutes Bildungs- und Gesundheitssystem. Wir sehen aber auch ein Demokratieproblem.

Politische Gegner werden eingesperrt.
Wir sehen ein Demokratieproblem - aber das Positive überwiegt.

Wann kaufen Sie sich endlich ein Handy?
Ich sehe keinen Anlass dazu. Ich werde mich erst der Mobiltelefonie bedienen, wenn irgendetwas im Körper implantiert wird, wo ich nur draufdrücken brauch. Es gibt ja so utopische Sachen.

Veröffentlicht: 26. September 2006

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