Genossin Ingrid Berger verstorben


Dieser Tage verstarb unsere Genossin Ingrid Berger im 85. Lebensjahr an einer langen,
schweren Krankheit, deren Folgen sie bis zum ihrem Tod tapfer ertragen hatte.

Ingrid Berger entstammte einer kommunistischen Donawitzer Arbeiterfamilie und organisierte sich mit
ihrem 1951 erfolgten Beitritt zur Freien Österreichischen Jugend früh in der
klassenkämpferischen Arbeiterbewegung. 1954 trat sie der KPÖ bei.

Ihre Mutter, unsere Genossin Maria „Mitzerl“ Kleißner, gehörte über viele Jahre dem Leobener Gemeinderat in
einer Zeit an, in der es noch keine Selbstverständlichkeit war, Frauen in politischen Ämtern
zu sehen. Ende der 80er Jahre war Genossin Berger ein Jahr lang selbst Mitglied des
Leobener Gemeindeparlaments. Sie vertrat Wolfgang Schmiedhuber während dessen
Schulungsaufenthalts in der Sowjetunion. Ihr Mann Rudi Berger war über viele Jahre eine
Stütze der kommunistischen Betriebsräte im Hüttenwerk Donawitz.

Von 1955 bis zu ihrer Pensionierung im Jahr 1990 war Ingrid bei der KPÖ-Leoben als Sekretärin beschäftigt. Sie
war die „gute Seele“ der Leobener Partei. Für Ingrid war es eine Selbstverständlichkeit neben
ihrer bezahlten Arbeit Stunde um Stunde unbezahlte Parteiarbeit zu leisten. Oft war diese
Arbeit auch mit körperlichen Mühen verbunden. Damals wurden unsere Orts- und
Betriebszeitungen noch vielfach mit der Abziehmaschine produziert, welche von Ingrid
fachmännisch bedient wurde. Auch für das Gelingen der legendären Wahrheit-Feste in der
Oberlandhalle war sie mitverantwortlich.


Bei der Arbeiterkammerwahl 1989 kandidierte Genossin Berger auf einem prominenten Platz.
In einem GLB-Flugblatt begründete sie ihre Kandidatur mit folgenden Worten: „Über das
Unrecht, daß Frauen bei gleicher Arbeit weniger Lohn bekommen, wurde von SPÖ und ÖVP
schon genug gesprochen. Auch darüber, daß Frauen in ihrer beruflichen Laufbahn trotz guter
Qualifizierung bei Vorrückengen Männern gegenüber benachteiligt und zurückgestellt
werden. Es ist Zeit, daß wir Frauen uns selbst um unsere Rechte kümmern...“

Genossin Ingrid Berger trat für die Rechte der arbeitenden Frauen genauso selbstverständlich ein, wie sie
davon überzeugt war, daß eine wirkliche Befreiung der Frau ohne Freiheit aller arbeitenden
Menschen vor Unterdrückung und Ausbeutung nicht möglich ist. Deshalb suchte sie früh den
Weg in unsere Bewegung.


2012 verstarb ihr Mann, der sich bereits einige Jahre aufopferungsvoll um seine kranke Frau
gekümmert hatte. Danach verschlechterte sich ihr körperlicher Zustand rapide.
Ingrid Berger behalten wir so in Erinnerung, wie wir sie viele Jahrzehnte gekannt hatten. Eine
mit ihrer Leobener Heimatstadt verbundene, weit über unsere Gesinnungsgemeinschaft hinaus
anerkannte, kluge Arbeiterfrau!


KPÖ-Leoben
KPÖ-Steiermark

18. Februar 2022