Gedanken zur Oktoberrevolution

Kommentar von Renate Pacher

Am 7. November 1917 gelang mit der Oktoberrevolution in Russland erstmals eine Umwälzung, die das Ziel hatte, eine völlig neue, eine sozialistische Gesellschaft zu errichten. Die Revolution hatte die Unterstützung breiter Teile der Bevölkerung, da ihre Forderungen „Brot und Frieden“ und „Alle Macht den Sowjets“ den Sehnsüchten vieler Menschen entsprach.

Die russischen RevolutionärInnen gingen davon aus, dass auch in anderen europäischen Ländern sozialistische Revolutionen stattfinden würden und der Sozialismus gemeinsam aufgebaut werden könnte. Diese Revolutionen blieben aus. Gleichzeitig musste die russische Revolution in einem Bürgerkrieg, in dem die Gegner der Revolution durch Geld und Truppenentsendungen von 14 ausländischen Staaten unterstützt wurden, verteidigt werden.

So waren die Bedingungen zum Aufbau des Sozialismus ungünstig. Dennoch gelang es, einen rückständigen Agrarstaat in eine Industrienation umzuwandeln, den Menschen Zugang zu sozialer Sicherheit und Bildung zu ermöglichen, zahlreiche Befreiungsbewegungen in der ganzem Welt zu unterstützen und nicht zuletzt durch den Sieg über Hitler-Deutschland den wesentlichsten Beitrag zu Befreiung Europas vom Faschismus zu leisten.

Dass zur Geschichte des Aufbaus des Sozialismus auch Repressalien, Terror und Verbrechen gehören, ist eine Tragödie. Eine Tragödie für die Betroffenen, die kommunistische Bewegung und arbeitenden Menschen. Denn dadurch konnte die Idee des Sozialismus in Misskredit gebracht und der Blick darauf verstellt werden, was für eine Chance eine sozialistische Gesellschaft für die Menschheit sein könnte.

Heute erleben wir „Kapitalismus pur“ und die Diktatur der Konzerne. Kriege, Elend, Ausbeutung, soziale Unsicherheit, Naturzerstörung und Flüchtlingsströme sind kapitalistischer Alltag. Der Kapitalismus mit seinem Streben nach Maximalprofit hat keine Antwort auf die dringenden Überlebensfragen der Menschheit. 100 Jahre Oktoberrevolution sind ein guter Anlass über Möglichkeiten einer neuen Gesellschaft nachzudenken.

Renate Pacher, KPÖ-Stadträtin in Knittelfeld

7. November 2017