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Für Wiedereröffnung der Geburtenstation Voitsberg

Offener Brief der Bürgerinitiative „Schützt kleines Leben”

Die Initiative für die Wiedereröffnung der Geburtenstation Voitsberg wendet sich mit einem offenen Brief an die Öffentlichkeit.

 

 

Köflach, 05.Mai 2014

 

An den Nationalrat der Republik Österreich

An die Mitglieder der Bundesregierung der Republik Österreich

An den Bundesrat der Republik Österreich

An die politischen Clubs der Republik Österreich

An den Landeshauptmann des Landes Steiermark,

sowie dessen Stellvertreter

An die Landesräte im steirischen Landtag

An die Landtagsabgeordneten im steirischen Landtag

An die steirischen Landtagsclubs

Via Email

 

Sehr geehrte Damen und Herren!

 

Es ist bekannt, dass das Ressort „Pflege und Gesundheit“ in die Kompetenz des Landes fällt. Dennoch möchten wir auch ein Wort an Sie, die Politiker des Bundes, richten, denn immerhin werden Entscheidungen aus Sicht des Volkes nicht einfach von einem Landesrat getroffen, sondern weitläufig auch von jener Partei, welcher er angehört. Demzufolge kann sich diese Entscheidung auch auf die Einstellung des Volkes zur besagten Partei auswirken und dies wird dann nicht nur auf Landesebene „rückvergütet“.

Aus diesem Grunde bitten wir Sie, sich unseres Anliegens anzunehmen und diese Zeilen durchzulesen und zu Gemüte zu führen. Es handelt sich hierbei um einen Hilferuf aus dem Bezirk Voitsberg.

 

Und deshalb unsere inständige Bitte: Lesen Sie dieses Schreiben durch! Die Bevölkerung von Voitsberg ist erbost über die Einstellung der Politik zu diesem Thema. So wird sich der Gemütszustand des Volkes auch mit Sicherheit auf die nächsten Wahlen auswirken.

 

Am 21.12.2012 wurde die Geburtenstation in Voitsberg unter enormem Protest der Bevölkerung geschlossen.

Drei Tage vor der endgültigen Schließung der Station konnten eine Mutter und ihr ungeborenes Baby durch eine Notoperation in der Gebärstation Voitsberg gerettet werden. Dennoch wurde die Station geschlossen.

Als Grund hierfür gab die damals zuständige Landesrätin Mag. Edlinger-Ploder „Sparmaßnahmen“, sowie eine Quote von 750 Geburten pro Jahr an, welche nicht erreicht wurden.

 

Anfang des Jahres 2014 wurde von Bianca Benedikt die Facebookgruppe „Wir kämpfen weiter für die GYN LKH Voitsberg“ gegründet, welche großen Anklang in der Bevölkerung fand. Im Februar 2014 kam es zu einem tragischen Vorfall, bei welchem eine Mutter ihr Kind nur noch tot im LKH Deutschlandsberg zur Welt bringen konnte. Als Grund hierfür wurde eine Plazentaablösung angegeben. Aus diesem Grunde fand die Facebookgruppe noch mehr Anklang in der Bevölkerung. Da der Andrang immer größer wurde, wurde schlussendlich der Verein „Schützt kleines Leben – Verein zur Wiederinbetriebnahme der Geburtenstation in Voitsberg“ gegründet.

Dieser tragische Vorfall sollte jedoch nicht als „Aufhänger“ des Begehrens der Bevölkerung genommen werden, sondern die Bürger sind sich einig: Wir brauchen unter allen Umständen die Geburtenstation in Voitsberg zurück.

Eine normal verlaufende Schwangerschaft kann sich immer als Risikogeburt (zB. Umwicklung des Halses mit der Nabelschnur odgl.) entwickeln. Aus diesem Grunde haben schnelle Versorgung und Hilfe oberste Priorität und sind ein Menschenrecht. Oftmals zählt jede Minute, die über Leben und Tod, bzw. Gesundheit der Mutter und des Kindes entscheiden. Ein langer Anfahrtsweg kann auch eine Behinderung des Kindes zur Folge haben (ebenfalls an Kosten geknüpft).

Doch spielen auch andere Faktoren eine große Rolle.

 

Es ist eine Zumutung für eine werdende Mutter, den weiten Weg von Voitsberg nach Graz oder Deutschlandsberg anzutreten. Eine Fahrt von Voitsberg nach Graz wird laut google.maps mit 43 Minuten Fahrzeit (47,4 km) bemessen. Eine Fahrt von Voitsberg nach Deutschlandsberg mit 40 Minuten (36 km). Jedoch gibt es auch werdende Mütter, die nicht direkt in Voitsberg leben und dementsprechend eine längere Anfahrtszeit benötigen, um die geeignete Einrichtung, sprich Geburtenstation, zu erreichen. Zum Beispiel fährt man von Kainach nach Graz 55 Minuten (59,7 km) und nach Deutschlandsberg 51 Minuten (47,3 km). Hierbei handelt es sich immer um die schnellstmögliche Route. Eine Geburt wird vom ÖRK nicht als Einsatzfahrt angesehen, demnach ist ein schnellerer Transport (sprich: Einsatzfahrt) nicht vorgesehen.

 

Vor allem darf man bei diesen langen Anfahrtszeiten auch andere Gefahren im Straßenverkehr nicht außer Acht lassen. Alleine die Witterungsbedingungen im heurigen Winter (Glatteis, aber auch Schnee usw.) waren katastrophal. Im Sommer kann es durchaus zu starken Regenfällen mit Hagel kommen. Abgesehen davon sind die Fahrbahnverhältnisse (Fahrbahnschäden udgl.) auch nicht unbedeutend.

Ebenfalls darf man das Thema „Umweltschutz“ nicht übersehen. Eine höhere Feinstaubbelastung und Abgase stehen an der Tagesordnung, da ja auch die Mutter und der neue Erdenbürger von Familie/Freunden besucht werden möchte und der Besuch auch die lange Wegstrecke zumeist mit dem PKW antritt.

Die Rettungsfahrzeuge werden dadurch ebenfalls deutlich mehr beansprucht (Verschleißteile, Treibstoffkosten usw.). Außerdem sind die Einsatzkräfte, wie Notarzt und Sanitäter, für längere Zeit besetzt und für andere Einsätze, welche ebenso dringend sind, nicht einsetzbar.

Jede werdende Mutter (egal ob sie ihr erstes Kind erwartet oder bereits mehrere Kinder zur Welt gebracht hat) hat Angst. Eine Geburt ist kein „Spaziergang“ und oftmals ein schmaler Grat zwischen Leben und Tod.

 

In den Kliniken in Graz und Deutschlandsberg muss man „Notbetten“ am Gang einführen, da enormer Platzmangel herrscht.

Die Ärzte und das gesamte Personal im LKH Graz/Deutschlandsberg sind schier überfordert und unterliegen der „Burn-out“-Gefahr, was ebenfalls wieder Kosten bedeutet.

 

Der Bezirk Voitsberg steht nun eng zusammen. Die Facebookgruppe zählt bereits knapp 7.400 Mitglieder. 650 Fahrzeuge zieren Aufkleber mit dem Logo des Vereins, welches Zusammenhalt nach außen hin repräsentieren soll. Bereits 250 Stk. T-Shirts wurden verteilt. Eine Benefizwanderung von Reinhold Waldhaus fand statt, bei welcher für jeden gegangenen Kilometer je ein Euro für den Verein gespendet wurden. Mehrere Personen schlossen sich diesem Vorhaben von Waldhaus an und spendeten ebenfalls. Auch wurde bereits ein Privatflohmarkt von einer Privatperson abgehalten, bei welchem die Einnahmen zugunsten des Vereines gingen. 

Es sind bereits rund 12.000 Unterschriften ausgezählt, wobei jedoch jene Unterschriftenlisten, welche in Geschäften usw. aufgelegt wurden, noch nicht berücksichtigt wurden. Ebenfalls wird der Verein von einheimischen Künstlern, Firmen, von allen Bürgermeistern, diversen Parteien aus dem Bezirk und der Ärzteschaft aus dem Bezirk unterstützt (sei es finanziell oder durch Wortstärkung). Eine einstimmige Resolution der Bürgermeister wurde unterzeichnet.

 

Am 11.03.2014 stellte Claudia Klimt-Weithaler (KPÖ) eine Dringlichkeitsanfrage an Neo-Landesrat Mag. Drexler betreffend die besagte Geburtenstation. Ebenso wurde seitens der Grünen und der FPÖ eine Dringlichkeitsanfrage an Landesrat Drexler gestellt, wobei diese jedoch von SPÖ/ÖVP abgewiesen wurde, ohne dass SPÖ/ÖVP-Parteien wussten, wie genau die Sachlage ist.

 

Mag. Drexler versprach dem Verein ein persönliches Gespräch, welches am 22.04.2014 in der Stadtgemeinde Voitsberg abgehalten wurde. 

Am 22.04.2014, um 17.00 Uhr, fanden sich im Sitzungszimmer der Stadtgemeinde Voitsberg der Bürgermeister der Stadt Voitsberg, Ernst Meixner, der Vereinsvorstand von „Schützt kleines Leben“ (Bianca Benedikt, Anton Binder, Ines Eberl), Landesrat Mag. Drexler (sowie dessen Büroleiter Franz Zenz und Betraute der Gesundheitsvorsorge, Gesundheitsförderung, Dr. Poier), Prim. Dr. Hannes Hofmann, Aldo Striccher des Roten Kreuzes, Hofrat Harald Gaugg (Geschäftsführer des Gesundheitsfonds), sowie Dr. Gerhard Zeck, Allgemeinmediziner aus dem Bezirk Voitsberg, ein.

 

Plötzlich war von „Sparmaßnahmen“, welche Mag. Edlinger-Ploder als Grund für die Schließung genannt hatte, keine Rede mehr, sondern Mag. Drexler, Prim. Hofmann und Hofrat Gaugg angaben, dass es sich bei der Schließung um eine „Qualitätssicherung“ handelte.

Durchschnittlich 420 Geburten in den letzten Jahren würden eine Qualitätsminderung der Ärzte und Hebammen darstellen. Würde es in Voitsberg 1000 Geburten geben, so könnten die Ärzte und Hebammen aufgrund der hohen Geburtenzahlen und der dadurch gewonnenen Arbeitserfahrungen eben auch bessere Qualität bieten. In Graz und Deutschlandsberg sei dies der Fall und es könne Qualität geboten werden.

 

„Wenn es um das Thema ‚Qualität‘ ginge, müsste die Geburtenstation in Voitsberg morgen wieder aufgesperrt werden!“, so Bürgermeister Ernst Meixner. Und diesem Statement kann man sich nur anschließen. Voitsberg war eine der besten Geburtenstationen, welche sogar Mütter aus dem Umland (Graz und Umgebung) aufsuchten, um hier ihr Kind zu gebären. Die Geburtenstation Voitsberg wurde erst vor wenigen Jahren renoviert und bot ua. Wassergeburten an. Die Ärzte und Hebammen waren sehr bemüht und die Mortalitätsrate sehr gering. Auch eine Studie aus Deutschland belegt, dass die Mortalitätsrate bei Geburtenstationen unter 500 Geburten/Jahr wesentlich geringer ist als bei Geburtenstationen, welche mehr Geburten pro Jahr zu verzeichnen haben (Link hierzu siehe: https://www.facebook.com/GeburtEv/posts/637436396313188?fref=nf ). Prinzipiell sollte der Hausverstand schon sagen, dass Geburtenstationen mit weniger Geburten pro Jahr qualitativ wertvoller sind als „Massenabfertigungen“.

 

Dr. Hofmann gab an, dass es in den USA üblich sei, dass Mütter nach einem Kaiserschnitt bereits nach 24 Stunden in häusliche Pflege entlassen werden würden und in Kanada sei die nächste Geburtenstation einige hunderte Kilometer weit entfernt.

Diesen Aussagen nach sollte sich Österreich nicht mit schlechter strukturierten Ländern messen sondern eher mit positiveren. Unser Gesundheitssystem unterliegt absolut nicht den amerikanischen Standards und die Mütter in den USA entlassen teilweise sich selbst, da kaum jemand krankenversichert und ein längerer Aufenthalt somit nicht leistbar ist.

Eine Entlassung (aus Platzmangel) nach 2 Tagen stationären Aufenthalts für österreichische Standards ist eine Schande, da sich die Mutter erst von der Geburt erholen und sich an die neuen Bedingungen gewöhnen muss. 

 

Auch Aussagen wie „Dann müssen wir in jedem Dorf eine Geburtenstation bauen“ wurden getätigt. Hierzu sei angemerkt, dass es in Voitsberg bereits eine Geburtenstation gab und diese nicht erst gebaut werden muss. Voitsberg ist eine Bezirkshauptstadt und hat ein großes Einzugsgebiet. Die Geburtenstation in Voitsberg genoss sehr großes Ansehen in der Region und im Umland.

Nun ist man lt. Landesrat Drexler mitten im „Evaluierungsprozess“, nur bringt dieser unserer Ansicht nach wenig, wenn diese Evaluierung von den selben „Experten“ durchgeführt wird, welche bereits im Jahr 2012 zu dem Entschluss gekommen sind, die Geburtenstation in Voitsberg zu schließen. Wer entscheidet nun, was „qualitativ hochwertig“ ist und was nicht? Wäre es nicht sinnvoll, Mütter aus dem Bezirk, welche eine Geburt in der Geburtenstation in Voitsberg erfahren durften, hinsichtlich „Qualität“ zu befragen und was sie sich darunter vorstellen? Egal ob Politiker, Arzt oder einfacher Bürger: Ein Mann wird nie das empfinden, was eine Frau, bzw. Mutter unter „Qualität der Geburt“ versteht. Und in diesem „Expertenteam“ befinden sich, unserem Kenntnisstand nach, nur Männer! 

Weitere Fakten können Sie auch dem beiliegenden offenen Brief der Bürgermeister von Voitsberg (Ernst Meixner) und Wagna (Peter Sunko) entnehmen.

 

Die Bevölkerung von Voitsberg (aber auch jene Personen, welche nicht aus dem Bezirk stammen und dieser Thematik ihre Aufmerksamkeit schenken) ist nicht vergesslich. Sie wissen, was Ex-Landesrat Mag. Edlinger-Ploder als Grund für die Schließung genannt hat und wir sind natürlich sehr erbost darüber, dass man die Gründe der Schließung nun anders benennt.

Die Bevölkerung weiß ebenso, wem sie die Schließung zu verdanken hat und dies wird der Verein auch dementsprechend immer wieder in Erinnerung rufen. Die Politik sollte eine Volksvertretung sein und nicht über die Köpfe des Volkes hinwegentscheiden. Man sollte auch nicht vergessen, wer die Politiker schlussendlich wählt. Natürlich stellt sich die Bevölkerung einige Fragen:

 

Ist es nicht das Volk, das mit Steuergeldern in den Gesundheitstopf einzahlt?

 

Ist es nicht das Volk, das die Gehälter der Politiker bezahlt und dafür lediglich eine gute Vertretung fordert?

 

Ist es nicht Aufgabe der Politik, das Volk zu erhören und dieses zu vertreten?

 

Steht nicht im Artikel 1 der Österreichischen Bundesverfassung: „Österreich ist eine demokratische Republik. Ihr Recht geht vom Volk aus“?

 

Warum verschließt die Politik dann die Augen vor Forderungen des Volkes?

 

Warum ignoriert man das Begehren der Bevölkerung, wenn im Jahre 2012 bereits tausende Unterschriften gegen die Schließung der Geburtenstation eingelangt sind?

 

Warum muss man die Stationen in Deutschlandsberg und in Graz ausbauen lassen, wenn es eine voll funktionstüchtige Station in Voitsberg gab, welche führend bei Wassergeburten war? 

 

Wer sind diese „Experten“, die über dieses Unterfangen entscheiden? Sind unter ihnen auch Mütter aus dem Bezirk zu finden, welche bereits den Weg zur Entbindung nach Graz oder Deutschlandsberg auf sich genommen haben? Eigene Erfahrungsberichte sollten über Zahlen von Statistiken liegen.

 

Zählen eine Entlassung nach 2 Tagen stationären Aufenthalts auf Grund von Platzmangel und die Gefährdung der Ärzte und des Personals (Burnout) wirklich zu „Qualitätsverbesserungen“? Ebenso siehe eingangs erwähnte Punkte.

 

Ist es Zufall, dass Prim. Dr. Hofmann Peter eine eigene Ordination in Deutschlandsberg führt, Leiter der Frauenabteilung und der geburtshilflichen Einheit am LKH Deutschlandsberg ist und gleichzeitig als „Experte“ fungiert? Ist eine objektive Einschätzung hier noch möglich?

 

Wer entscheidet nun schlussendlich über das Ressort „Pflege und Gesundheit“? Die Politiker des Landes oder lassen sich diese von der KAGes zu sehr unter Druck setzen?

 

Das Volk ist nicht dumm und beginnt sich schön langsam zur Wehr zu setzen. Wir akzeptieren nicht immer, was uns die Politik „vorsetzt“. Es wäre an der Zeit, seitens der Politik umzudenken!

 

Aus diesem Grunde wird um eindringliche Prüfung des Begehrens des Bezirkes Voitsberg gebeten!

 

Hochachtungsvoll

Schützt kleines Leben – Verein zur Wiederinbetriebnahme der Geburtenstation Voitsberg

15. Mai 2014