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„Für eine Bildungspolitik, die niemanden zurücklässt!“

LAbg. Klimt-Weithaler formuliert bildungspolitische Ziele der KP

Im Rahmen einer Podiumsdiskussion in der FH Joanneum präsentierte LAbg. Claudia Klimt-Weithaler, Bildungssprecherin des KPÖ-Landtagsklubs, bildungspolitische Ziele und Forderungen der KPÖ Steiermark.

„Für eine Bildungspolitik, die niemanden zurücklässt!“

Redebeitrag im Rahmen der Podiumsdiskussion „Die Zukunft der Bildung in der Steiermark“ am 9.11.2006 in der FH Joanneum, Institut für Bildungsrecht und Bildungspolitik

Es diskutierten:

  • Landesrätin Bettina Vollath (SPÖ)
  • LAbg. Claudia Klimt-Weithaler (KPÖ)
  • LAbg. Ingrid Lechner-Sonnek (Grüne)
  • LAgb. DDr. Gerald Schöpfer (ÖVP)

 

Ich möchte am Beginn meines Statements den Titel der heutigen Veranstaltung kommunistisch zu Ende denken: „Die Zukunft der Bildung in der Steiermark... braucht eine Bildungspolitik, die keine und keinen zurücklässt!“


Bildung ist ein sprachlich, kulturell und historisch bedingter Begriff mit einer sehr komplexen Bedeutung. Eine einheitliche Definition für Bildung zu finden ist äußerst schwierig, je nach Ausrichtung und Interessenslage variieren die Ansichten darüber, was unter Bildung verstanden werden sollte erheblich.

Bildung bezeichnet die Entfaltung oder Entwicklung der Fähigkeiten eines Menschen – sowohl den Prozess (sich bilden) als auch den Zustand (gebildet sein).

Der moderne dynamische und ganzheitliche Bildungsbegriff steht für den lebensbegleitenden Entwicklungsprozess des Menschen, bei dem er seine geistigen, kulturellen, lebenspraktischen Fähigkeiten und seine personalen und sozialen Kompetenzen erweitert.


Bildung kann daher nicht auf Wissen und Wissensvermittlung reduziert werden.


Daniel Goeudevert definiert Bildung als einen aktiven, komplexen und nie abgeschlossenen Prozess, in dessen glücklichem Verlauf eine selbständige und selbsttätige Persönlichkeit entstehen kann.


Bildungspolitik, die keine und keinen zurücklässt, sieht Bildung nicht als Ware, sondern als Recht!

Sowohl in der Kinderrechts- als auch in der Menschenrechtskonvention ist Bildung als Kinder- bzw. Menschenrecht festgeschrieben. Wir haben aber in unserem Bildungssystem soziale Ungleichheiten und dem muss entgegengesteuert werden!

Im allgemeinen korrelieren in fast allen Gesellschaften sozialer Status und formale Bildung positiv miteinander. Niedrige (oder ganz fehlende) Bildungsabschlüsse sind vor allem in den weniger privilegierten Bevölkerungsschichten anzutreffen. Durch Erwerb von Bildung ist ein sozialer Aufstieg möglich! Und das bedeutet natürlich, dass die Entwicklungsmöglichkeiten jeder/jedes Einzelnen heute mehr denn je vom freien Zugang zu Information und Wissen abhängen – von Anfang an, denn Bildung beginnt nicht erst mit der Schulpflicht – die außerschulische Bildung, die in Kinderkrippen, bei Tagesmüttern/-vätern, in Kindergärten, Kinderhäusern und Horten passiert, darf dabei keinesfalls übersehen werden!      



Bildungspolitik, die keine und keinen zurücklässt, ist sozial gerecht und emanzipativ!


Ernesto Che Guevara:
(hat zum Thema „Eigenverantwortung“ einmal gesagt): „Eine Ausbildung, bei der der Mensch ohne wesentliche eigene schöpferische Teilnahme geformt wird, ist nicht zielführend. Der einzelne Mensch muss intensiv und bewusst an seiner eigenen Bildung und Erziehung mitwirken.“


Ich möchte nun einige Punkte anführen, einen kurzen Überblick darüber geben, was der KPÖ im Bildungsbereich besonders am Herzen liegt:


  • Wir sind für einen Rechtsanspruch auf Bildung (freier Zugang/Plätze).
  • Wir fordern die Stärkung der frühkindlichen Förderung, den außerschulischen Bereich.
  • Wir setzen uns dafür ein, dass in allen Bildungseinrichtungen geschlechtssensibel gearbeitet wird.
  • Wir fordern einen flächendeckenden Ausbau von Kinderbetreuungseinrichtungen.
  • Wir brauchen integrative Schulsysteme für Kinder und Jugendliche und Unterstützungssysteme (Zusammenarbeit Lehrende, PsychologInnen, SozialarbeiterInnen).
  • Wir sind für die Einführung einer Gesamtschule (6-14).
  • Wir wollen für jeden Schüler/jede Schülerin einen Ausbildungsplatz (wer nicht ausbildet soll zahlen, arbeitsmarktpolitische Maßnahmen).
  • Wir sind für eine gemeinsame PädagogInnenausbildung sowie Bildung, Unterstützung und Anerkennung für alle, die am pädagogischen Prozess beteiligt sind.
  • Wir brauchen ein höheres Bildungsbudget, damit Fachhochschulen und Universitäten auch ohne Studiengebühren keine Qualitätseinbußen in Kauf nehmen müssen.
  • Wir brauchen SchülerInnen- und Studierendenvertretungen.


Diese Aufzählung ist keineswegs vollständig.


Eine Bildungspolitik, die keine und keinen zurücklässt, investiert in Bildung!


Bildung kostet Geld. Und immer wieder wird festgestellt, dass die öffentlichen Kassen leer sind. Es stimmt, die öffentlichen Kassen sind leer. Trotzdem gehört Österreich nach wie vor zu den reichsten Ländern der Welt. Es gibt aber immer mehr Menschen, die arm sind und gleichzeitig werden die Reichen immer reicher. Jetzt zäum ich das Pferd von hinten auf und stelle nicht fest, sondern eine Frage: Warum sind die öffentlichen Kassen leer?

  • Weil das Geld dort bleibt, wo es ist – nämlich bei den steuerbegünstigten Reichen und Superreichen.
  • Und weil man sich nicht bemüht einnahmenseitig etwas in die Kassen zu bringen, (spreche nicht von Massensteuern), sondern lieber ausgabenseitig spart.

 

Wir brauchen eine Umverteilung der finanziellen Mittel, denn es ist genug für alle da!   

„Es gibt auf Dauer nur eins, was teurer ist als Bildung: keine Bildung!“ (John F. Kennedy)

 

Ich wünsche mir für die Zukunft der Bildung in der Steiermark, eine Bildungspolitik, wo Kinder und Jugendliche von Anfang an in Kinderbetreuungseinrichtungen und Schulen Lern- und Lebensorte vorfinden, die Kultur, soziale Kompetenz und Demokratie unmittelbar erlern- und erlebbar machen!

Wo Lehrlinge und Studierende ihre Ausbildung aktiv mitgestalten können!

Ich wünsche mir eine Bildungspolitik, die mit arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen Hand in Hand geht und die lebenslanges Lernen für alle Menschen, unabhängig von ihrer Herkunft, ihrem Geschlecht und ihrem Alter möglich macht!

Veröffentlicht: 14. November 2006

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