Es waren einmal die Frauenquote und der angebliche Mangel an kompetenten Frauen…

Anita Strassers Serie "Gleichberechtigt im Jahr 2019?"

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Nach jahrzehntelangem Kampf für Gleichberechtigung werden aktuell immer wieder Stimmen laut, die meinen, der Kampf sei nun zu Ende und die Gleichberechtigung bereits hergestellt. Ist das wirklich so? 

Genervtes Augenverdrehen, Kommentare wie „Totdiskutiert“,„Ausgelutscht“, „Ein alter Hut“, oder „Nicht schon wieder!sind gängige Reaktionen auf das Thema Frauenquote. Tatsächlich erscheint es auch mir ein immer wieder neu aufgelegtes Dauerthema zu sein, um beispielsweise Sommerlöcher zu füllen. Geredet und geschrieben wurde darüber viel, doch umgesetzt wurde im deutschsprachigen Raum vergleichsweise wenig. 

Frauen stoßen an die gläserne Karrieredecke, während die Führungsebenen in der Regel eindeutigen Männerüberschuss aufweisen. Dass es einzelne Frauen, wie beispielsweise Angela Merkel, doch an die Spitze geschafft haben, täuscht nicht darüber hinweg, dass dies Ausnahmen und bei weitem nicht die Regel sind. Eine aktuelle Studie* zeigt: 

  • Der Frauenanteil in den TOP 100 Unternehmen in der Steiermark in der ersten Führungsebene liegt bei 11%. 
  • 65% der Unternehmen innerhalb der TOP 100 Sample haben keine Frau in der ersten Führungsebene.

Studie* 

Gibt es nicht genug kompetente Frauen?

Vermeintliche Argumente gegen Frauenquoten gibt es viele. Von wissenschaftlich nicht haltbaren Vorurteilen gegenüber der weiblichen Biologie bis hin zu sexistischen Ausreden und Entschuldigungen, dass es einfach nicht genügend kompetente Frauen gebe, die führen wollen und können. Ist das so? Ich sage nein! 

Sicher, in ganz hochspezialisierten einzelnen Bereichen kann es tatsächlich vorkommen, dass sich keine Bewerberin mit der notwendigen Qualifikation findet. Die Führungsetagen in Politik und Privatwirtschaft bestehen jedoch überwiegend aus Männern mit Ausbildungen aus den Bereichen Finanzwesen, Rechtswissenschaften, Betriebs- oder Volkswirtschaft. Ausbildungssparten, die auch hohe Frauenanteile aufweisen. Dass in diesen Bereichen nicht genügend qualifizierte Frauen zur Erfüllung der Frauenquote gefunden werden können, war für mich schon immer unglaubwürdig. Seit dieser Woche ist dies jedoch mehr als eine vage Vermutung meinerseits. 

Das Wollen ist das Problem

Kanzlerin Brigitte Bierlein schaffte es in nur wenigen Tagen, ein MinisterInnenkabinett genau zur Hälfte mit Männern und Frauen zu besetzen. In Windeseile wurden qualifizierte Frauen gefunden, wobei die Zeit sogar noch ausreichte, um bei den KandidatInnen zusätzlich auf ausgewogene Partei-Naheverhältnisse zu achten. Kanzlerin Bierlein zeigt vor, wie es geht, wenn man nur will.

7. Juni 2019