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"Er war kein Besserwisser, weil er vieles besser gewußt hat"

Zum 70. Todestag von Antonio Gramsci

Vor 70 Jahren, am 27. April 1937, ist der Gründer der italienischen KP und bedeutende marxistische Denker Antonio Gramsci an den Folgen der Kerkerhaft im faschistischen Italien gestorben.
Die Schriften Gramscis haben auch heute noch Bedeutung, weil sie uns alle darauf hinweisen, dass der Marxismus eine „Philosophie der Praxis“ ist und weil sie jede politische Bewegung, die sich der Arbeiterbewegung zugehörig fühlt, darauf aufmerksam machen, dass es für uns notwendig ist, um die Hegemonie unserer Ideen in der Gesellschaft zu ringen.
Wer den arbeitenden Menschen wie ein Besserwisser gegenübertritt, wird deshalb kein einziges seiner Ziele erreichen.

Gramsci hat – wie das folgende Zitat aus seinen „Gefängnisheften“ zeigt, auch eine ganz bestimmte Meinung über das Ritual der „Linienkämpfe“ gehabt, die kommunistische Parteien mit schöner Regelmäßigkeit erschütter(te)n:

„Der Sektierer wird sich über unbedeutende innere Vorgänge erregen, die für ihn eine esoterische Bedeutung haben und ihn mit mystischer Begeisterung erfüllen; der Historiker dagegen, auch wenn er jeder Sache die Bedeutung beimessen wird, die ihr im allgemeinen Rahmen zukommt, wird den Akzent vor allem auf die reale Wirksamkeit der Partei legen“ . (Gramsci, Antonio: Zur Politik, Geschichte und Kultur, Leipzig 1980, S. 263 – 264)

Es ist auch im Sinne Gramscis, wenn wir versuchen, den Akzent unserer Arbeit auf die reale Wirksamkeit der Partei zu legen. Die KPÖ ist in der Steiermark kein isolierter Propagandazirkel, sondern wird– zumindestens ansatzweise – zu einer Partei, die sichtbar in die gesellschaftlichen Auseinandersetzungen in Stadt und Land eingreift. Auf diesem Weg wollen wir weitergehen.

Franz Stephan Parteder
Steirischer KPÖ-Vorsitzender

26. April 2007