Elementarpädagogik-Debatte im Landtag: Der Unmut wächst

"Pädagog:innen steht das Wasser bis zum Hals!"

Nicht nur in der Pflege und in der Gesundheitsversorgung, auch in der Elementarpädagogik wachsen der Landesregierung aufgrund unerledigter Hausaufgaben die Probleme über den Kopf. Einem Demonstrationsaufruf von Berufsvertreter:innen folgten am 13. November in Graz über 2000 Pädagog:innen und Eltern, die nicht mehr länger hinnehmen wollen, dass die Probleme nicht gelöst werden. Auch weitere Maßnahmen sind möglich, sollte die Regierung nicht reagieren. „Den Pädagog:innen steht das Wasser bis zum Hals“, betonte KPÖ-Klubobfrau Claudia Klimt-Weithaler heute im Landtag.

In einer Debatte im Landtag wurde am 16. November wieder deutlich: In den steirischen Kinderbildungs- und –betreuungseinrichtungen gibt es zu wenig Personal, die Gruppen sind zu groß, die Bezahlung ist nicht ausreichend – während die Verwaltungsaufgaben zunehmen. Viele Pädagog:innen wollen deshalb ihren Beruf nicht mehr ausüben, der Personalmangel wird immer größer. Die – falsche – Antwort der Landesregierung im Vorjahr war eine Senkung der Anstellungserfordernisse.

KPÖ-Klubobfrau Claudia Klimt-Weithaler, selbst ausgebildete Elementarpädagogin, setzt sich für grundlegende Verbesserungen in diesem Bereich ein, seit sie 2005 als Abgeordnete in den Landtag einzog. „Eine gute Kinderbetreuung und frühe Förderung für alle Kinder gehören zu den wichtigsten Zukunftsaufgaben. Der Bereich wird aber ausgehungert. Die Qualität der Betreuung wird durch die hervorragende Arbeit in den Einrichtungen sichergestellt – trotz unzureichender Rahmenbedingungen.“ – Das geht aber auf Kosten der Gesundheit, denn fast jede/r dritte ist ernsthaft von Burnout gefährdet, wie eine AK-Untersuchung ergeben hat.

Mehr als 10.000 Unterschriften hat die Initiative IfEB (Initiative für Elementare Bildung) binnen kürzester Zeit gesammelt, um die Politik auf dringend nötige Verbesserungen aufmerksam zu machen. Dort beruft man sich auf die zu hohen Kosten, doch in Österreich liegen die Ausgaben für Elementarbildung bei 0,64 % des BIP, während der EU-Durchschnitt bei 1,0 % liegt. Österreich müsste pro Jahr etwa eine Milliarde Euro in die Hand nehmen, um wirkungsvolle Verbesserungen zu ermöglichen.

 

Die KPÖ forderte in einem Antrag:

  • Ausbau der ganztägigen elementarpädagogischen Einrichtungen in der gesamten Steiermark, mit besonderem Gewicht auf Unter-Dreijährige
  • Verbesserung des Personalschlüssels zur Senkung der Gruppengrößen
  • Erhöhung der Beiträge des Landes zum Personalaufwand
  • Ausweitung der Tarif-Sozialstaffel auf ALLE Bildungseinrichtungen

Der Antrag fand keine Mehrheit, da er von ÖVP und SPÖ abgelehnt wurde.

 

16. November 2021