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Ein Name als Erinnerung

Mürzzuschlager Gymnasium nach Herta Reich benannt

Ein Name als Erinnerung

Zwei Tage hatte Herta Reich, damals noch Herta Eisler, Zeit, Mürzzuschlag zu verlassen. Das war 1938. Sechs Jahre sollten Konzentrationslager, Folter und schließlich Flucht dauern, ehe die junge Frau Palästina erreichte, bereits mit ihrem Mann Romek Reich. Am 19. Februar 2012 starb Herta Reich 94-jährig in Jerusalem.

"Zwei Tage Zeit" heißen auch die Erinnerungen Reichs, die Heimo Halbrainer und der gebürtige Mürzzuschlager Heimo Gruber rund 50 Jahre nach ihrer Flucht veröffentlicht haben. Mürzzuschlag trug Reich zwar zeitlebens in ihrem Herzen, aber zurück wollte sie nicht mehr.
1995 wurde "Zwei Tage Zeit" im kunsthaus muerz präsentiert, und bald danach tauchten erste Anfragen auf, ob man Herta Reich nicht in entsprechender Form würdigen könne, nicht zuletzt von der KPÖ und von Gemeinderat Franz Rosenblattl, wie Bürgermeister Karl Rudischer bei einem Pressegespräch bemerkte. Eine Ehrenbürgerschaft kam formalrechtlich nicht infrage, und eine Straße nach ihr umzubenennen, hätte einen hohen bürokratischen Aufwand erfordert. "Und der dritte Feldweg links wäre auch nicht passend gewesen", meinte Rudischer.
So kam man aufs Mürzzuschlager Gymnasium, nicht zuletzt wegen des Kontakts des Lehrers Rudolf Schabbauer zu Reich. Heimo Hirschmann, derzeit provisorischer Leiter der Schule, griff den Vorschlag auf und erntete damit auch im Lehrerkollegium große Zustimmung. Und so wird am Freitag, dem 23. November, um 19 Uhr das BG/BRG mit einem Festakt in Herta-Reich-Gymnasium umbenannt - in Gegenwart auch ihres Sohnes Ronny Reich, eines namhaften israelischen Archäologen.
"Die Schule soll keine Holocaust-Gedenkstätte werden", erklärte Hirschmann. "Aber der Name soll eine permanente Erinnerung an die Gräuel des Nationalsozialismus auch in unserer Stadt sein."

6. November 2012