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"Die Leute sind zu uns gekommen!"

Kleine Zeitung Weiz interviewt Elke Kahr

"Die Leute sind zu uns gekommen“

Die Grazer KP-Stadträtin Elke Kahr kümmert sich um den Aufbau einer Parteistruktur der KPÖ im Bezirk Weiz: So wird die KPÖ am 21. März in drei Gemeinden antreten.

Bei den kommenden Gemeinderatswahlen treten in drei der 54 Gemeinden im Bezirk Weiz Kandidaten der KPÖ an. Ist das ein Versuch, nun auch in der ÖVP-dominierten Oststeiermark Fuß zu fassen?

ELKE KAHR: Ja. Denn bisher war die Oststeiermark eher ein weißer Fleck für uns. In der Kommunalpolitik sind wir neben Graz vor allem in der Mur-Mürz-Furche und auch in der Weststeiermark vertreten.

Wie konnten Sie nun im Bezirk Weiz Menschen zu einer Kandidatur bewegen?

KAHR: Um ehrlich zu sein, die Leute sind zu uns gekommen. Man kann eigentlich erst Leute suchen, wenn man schon Leute vor Ort hat, die über ein Netzwerk verfügen. Es bringt nichts, wenn wir aus Graz daherkommen und erklären wollen, wie alles besser geht. So war es auch bei Eduard Giesen (kandidiert in Laßnitzthal, Anm.): Er ist zu uns gekommen, nachdem er unsere Arbeit und vor allem die von Ernest Kaltenegger über Jahre verfolgt hat. Seitdem hat er mit Grazer Unterstützung schon zahlreiche Kultur- und Infoveranstaltungen organisiert.

Sie unterstützen aber auch unabhängige Listen wie etwa die von Wolfgang Feigl in Weiz.

KAHR: Genau. Es müssen nicht alle Mitglieder sein. Es geht uns nicht darum, Menschen mit Gewalt in ein Eck zu stellen, wenn einige Leute nach wie vor ein Problem mit dem K von KPÖ haben. Es geht uns vielmehr darum, was man machen möchte. Wir versuchen die Menschen durch unsere Arbeit zu gewinnen.

Welche Prinzipien muss man erfüllen, damit die KPÖ einen unterstützt?

KAHR: Eine wichtige Rolle spielt die menschliche Komponente und die soziale Einstellung, auch dürfen Menschen nicht aus Eigennutz in die Politik gehen. Es gibt aber keinen Widerspruch, wenn man gläubig ist. Entscheidend ist, dass man bereit ist, sich für Menschen einzusetzen.

Wie sieht es aus mit dem Aufbau einer Bezirksparteistruktur?

KAHR: Mit Edi Giesen haben wir so etwas wie einen Bezirkssprecher. Ein eigenes Parteibüro werden wir in Weiz aber keines aufmachen, das können wir uns nicht leisten. Falls wir irgendwo tatsächlich ein Mandat machen werden, dann wird es vielleicht möglich sein, eine Art Servicezeitung in einer Gemeinde herauszugeben – mehr nicht.

Was sind die Ziele der Kommunisten bei den Gemeinderatswahlen im Bezirk Weiz?

Kahr: Es ist klar, dass es schwer wird. Wir waren schon mal glücklich, dass wir in drei Gemeinden kandidieren können. Und dabei muss man sagen: Es war ganz einfach, die notwendigen Unterstützungserklärungen zu bekommen. Das hat auch uns gewundert.

Was erwarten Sie sich in Prozent?

KAHR: Erfreulich wäre es, wenn wir uns an das Ergebnis der Landtagswahlen 2005 annähern könnten (in Gleisdorf und Weiz erreichte die KPÖ damals jeweils 6 Prozent, in Laßnitzthal 10 Prozent der Stimmen, Anm.). Aber auf jeden Fall ist das Ergebnis in Hinblick auf die heurigen Landtagswahlen zu sehen, ob die Menschen unsere Arbeit im Landtag honoriert haben.

(Kleine Zeitung, Region Weiz, 12.2.10)

12. Februar 2010