„Demokratische Verhältnisse von einem Tag auf den anderen ausgelöscht“

Zum 50. Jahrestags des Militärputsches in Griechenland

Der 21. April ist ein denkwürdiges Datum in der Geschichte Europas. Der faschistische Militärputsch im NATO-Staat Griechenland vor 50 Jahren, am 21. April 1967, war der Beginn einer Schreckensherrschaft mit zahllosen Toten. Tausende Demokraten wurden in Konzentrationslagern auf unwirtlichen Inseln inhaftiert und gefoltert.

Am bekanntesten ist der Name des Komponisten, Sängers und Politikers Mikis Theodorakis. Am Widerstand gegen das Obristenregime, der schließlich im Jahr 1974 zum Sturz der Diktatur führte, hatte die Kommunistische Partei Griechenlands (KKE) großen Anteil. NATO, USA und die westeuropäischen Regierungen unternahmen nichts zum Sturz der Junta, die sich mit einem rabiaten Antikommunismus hervortat. Das Land blieb auch in dieser Zeit Mitglied der NATO.

Das hatte internationale Auswirkungen auf die gerade entstehende Studentenbewegung in Westeuropa. Der Widerspruch zwischen den großen Worten von der „freien Welt“ und der Duldung eines faschistischen Regimes durch die Herrschenden im Westen war deutlich sichtbar geworden wie selten zuvor. Deshalb gab es auch eine große Solidaritätsbewegung mit den griechischen Demokraten. Auch in Graz, wo es viele griechische Studenten gab, die gegen das Regime eingestellt waren, kam es zu Demonstrationen gegen die Diktatur. Die KPÖ unterstütze mit ihren bescheidenen Mitteln die Aktivitäten der KKE im Exil.

Demokratische Verhältnisse, wie wir sie kennen, können von einem Tag auf den anderen ausgelöscht werden, wenn sich gesellschaftliche Krisen zuspitzen. Wenn ein autoritäres Regime etabliert ist, darf man nicht auf Rettung von außen hoffen, sondern nur das Zusammenwirken aller demokratischen Kräfte öffnet den Weg zum Sturz einer Diktatur.

Eine weitere Lehre aus dem Fall Griechenland: Der Antikommunismus wird von Gegnern der Demokratie als Instrument benutzt, um ihre Ziele leichter zu erreichen. Wir leben 50 Jahre nach dem griechischen Militärputsch in sehr unsicheren Zeiten. Deshalb müssen wir sehr wachsam sein und allen Formen von Rechtsextremismus, Rassenhass und religiösem Wahn entschieden entgegentreten, denn – wie Bertolt Brecht sagte – „Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch“!

20. April 2017