Blankoscheck für neue Verkehrsführung?

Das neue innerstädtische Einkaufszentrum hätte sich ei-nen besseren Start verdient. „Gefälligkeiten“ an Großkon-zerne werden als notwendige Verkehrsmaßnahmen verkauft. Anstatt die berechtigten Ein-wände von großen Teilen der Bevölkerung und von vielen unserer ansässigen Wirtschaft-streibenden zu berücksichtigen, bestimmen anscheinend einige Konzernmanager, was für die Stadt gut sein soll. Bewährte Straßenführungen werden unter dem Motto „flüssige Zufahr-ten zum Einkaufszentrum“ zu Einbahnen erklärt. Vorläufig „stören“ allerdings noch eini-ge Fußgängerübergänge die schnelle Zufahrt zu den Kassen. Gerade in der Mühltaler Stra-ße, die zwecks einer rascheren Erreichbarkeit des Einkaufs-zentrums zur Einbahn stadtein-wärts erklärt werden soll, befi n-det sich ein besonders sensibler Übergang zur Musikschule, der auch von vielen Kindern benützt wird. Bei der Abfahrt aus dem Einkaufszentrum durch die Innenstadt, ist die Flüssigkeit offenbar nicht mehr so gefragt. Da werden Ausfahrten durch den Schwammerlturm, die schmale Gösserstraße oder die Rosegger-straße durchaus in Kauf genom-men. Die Leobenerinnen und Leobener werden vor vollendete Tatsachen gestellt. Trotz verbreiteten Unmuts soll die Mühltaler Straße zur Einbahn erklärt und die Einbahn durch den Schwam-merlturm umgedreht werden. Statt zuerst mit den Leobener Bürgerinnen und Bürgern bzw. mit den ansässigen Wirtschaft-streibenden zu diskutieren, wel-che Verkehrslösung auf breitest mögliche Zustimmung stößt, geben ferne Manager den Takt vor. Politische Gefälligkeiten an Großkonzerne führen meist in eine Wirtschaftsfalle. Dazu paßt ein altes chinesisches Sprichwort: Wer auf dem Tiger reitet, kann weder die Richtung bestimmen noch absteigen. Die KPÖ lehnt eine Verkehrslösung ab, die quasi von außen den Leobenern aufs Auge gedrückt werden soll. Deshalb unser Nein im Gemeinderat zum Bebau-ungsplan. Bei diesem Beschluß war die Zwei-Drittel-Mehrheit notwendig. Es war die letz-te Chance, der Erklärung der Mühltaler Straße zur Einbahn bzw. der Umdrehung der Ein-bahn durch den Schwammerl-turm einen Riegel vorzuschie-ben! In diesem Zusammenhang darf das Abstimmungsverhalten der ÖVP als kurios empfunden werden. Mit viel Dampf wurde vorher, auch in der Presse, ge-gen die geplante neue Verkehrs-führung gewettert. Bei der Ab-stimmung im Gemeinderat, als für jeden sichtbar wurde, wohin der sprichwörtliche Hase läuft, hat die Leobener Schwarzen of-fenbar der Mut verlassen. Die Initiative der Geschäftsleute in Waasen, die sich ob der neu-en Verkehrsführung zu Recht sorgen machen, war der ÖVP-Fraktion im Gemeinderat keine Silbe wert.

10. September 2010