Bad Aussee und Rottenmann nicht aushungern!

Werner Murgg: „Zentralisierung löst Personalmangel nicht“

Im April 2019 hat sich eine große Mehrheit im Bezirk gegen den Spitals-Kahlschlag ausgsprochen.

Der steirische Landesrechnungshof stellt in einem aktuellen Prüfbericht fest, dass der Betrieb des Krankenhauses Bad Aussee nicht ausreichend effizient ist. Aufgrund der Personalmangels wird die Verlegung bestimmter Behandlungen nach Rottenmann empfohlen. Außerdem seien die Belegtage zurückgegangen. Für die KPÖ ein guter Grund, die Spitäler im Bezirk Liezen aufzuwerten, statt sie zugunsten eines zentralen Krankenhauses auszuhungern.

In Österreich beträgt die Bettendichte etwas mehr als 10 Betten pro 1000 Einwohner, im Bezirk Liezen derzeit jedoch nur 4,2. Nach der geplanten Realisierung des Leitspitals und Schließung der bestehenden Standorte würden pro 1000 EW nur noch 2,8 Betten (!) zur Verfügung stehen. Deshalb kann die Antwort auf bestehende Probleme nicht eine weitere Zentralisierung der medizinischen Versorgung sein, sondern die Aufwertung der bestehenden Standorte durch Spezialisierungen, die die Grundversorgung ergänzen.

KPÖ-LAbg. Werner Murgg: „Der Aufwand ist bei einem dezentralen Spital natürlich größer, aber die bestehenden Spitalsstandorte sind wichtig für die flächendeckende Versorgung im Bezirk. Der Personalmangel, vor allem der Mangel an Fachärztinnen und Fachärzten, ist keine Besonderheit der Spitäler in Rottenmann und Bad Aussee, sondern ein seit Jahren bestehendes Problem, das für die Landespolitik leider nicht die nötige Priorität hat.“

Auch in den Ballungszentren waren schon lange vor den durch die Covid-Pandemie verschärften Problemen lange Wartezeiten auf gängige Behandlungen an der Tagesordnung. Die von der KAGes neuerdings veröffentlichten Wartelisten machen sichtbar, dass es einen großen Rückstau gibt. Eine Spezialisierung in peripheren Spitälern kann das System entlasten und Patientenströme sinnvoll steuern.

Der Personalmangel besteht auch im niedergelassenen Bereich. Daraus entwickelt sich langfristig zu einer allgemeinen Krise der Gesundheitsversorgung, nicht nur im Bezirk Liezen. Dazu kommt, dass es immer mehr WahlärztInnen gibt, die (teilweise) privat bezahlt werden müssen.

„Wenn im Bezirk nur mit Konsiliarverträgen und unter Überschreitung der gesetzlichen Arbeitszeit die Versorgung aufrechterhalten werden kann, wird das Problem bei der Zentralisierung der Spitäler nicht kleiner, sondern noch größer“, so Murgg.

8. Oktober 2020