Archivierte Artikel: Die enthaltenen Informationen sind möglicherweise veraltet.

Angela Davies über Schwarzenegger

Aus einem Interview mit der Zeitung "Neues Deutschland" (21. 12.05)

Angela Davies über Schwarzenegger und die Todesstrafe

Unsere Genossin Angela Davies hat in einem Interview mit der Zeitung Neues Deutschland zur Diskussion um Schwarzenegger und die Todesstrafe Stellung genommen.
Angelas Davies (damals eine Aktivistin der KP der USA) ist selbst von der Todesstrafe bedroht worden und wurde nur durch die internationale Solidarität vor der Hinrichtung gerettet.
Interessant ist ihre Bewertung der politischen Position von Schwarzenegger.

Die Hinrichtung des ehemaligen Gründers einer Straßengang und späteren Kinderbuchautors Tookie Williams hat vor einigen Tagen weltweit für Schlagzeilen und Protest gesorgt. Warum gelang es am Ende nicht, sein Leben zu retten?

Er ist aus politischen Gründen hingerichtet worden. Tookie Williams hatte sich erst im Gefängnis für gesellschaftliche Fragen zu interessieren begonnen. Er hat sich politisiert und seine politische Identität bis zum Schluss nicht verleugnet. Das hat ihn das Leben gekostet.
Als reuiger Krimineller wäre Williams vielleicht begnadigt worden, doch als politischer Aktivist nicht. Schließlich ist Gouverneur Schwarzenegger Protagonist des rechten Flügels der Republikanischen Partei. Er hat in seiner Ablehnung des Gnadengesuchs ausdrücklich erklärt, dass sich Williams unter anderem auf den langjährigen politischen Gefangenen und späteren Präsidenten Südafrikas Nelson Mandela sowie auf den im USA-Gefängnis ermordeten Black-Panther-Aktivisten George Jackson berief. Mit der Hinrichtung von Tookie Williams machte er deutlich, dass ihm die Weltmeinung egal ist. Dieser Trend hat sich nach dem 11. September 2001 verstärkt und macht Solidaritätsarbeit sicher nicht leichter.

4. Januar 2006