Ärztemangel: Bogner-Strauß beharrt auf Einschnitten in Liezen und im Murtal

Claudia Klimt-Weithaler: Unrealistische Erwartungen an Gesundheitszentren gefährden medizinische Versorgung

Ende Jänner wurden grobe Unstimmigkeiten im steirischen RSG (Regionaler Strukturplan Gesundheit) 2025 bekannt: Besonders in den Bezirken Liezen und im Murtal sind zukünftig deutlich weniger Planstellen für Kassenplanstellen für Allgemeinmedizin vorgesehen. KPÖ-Klubobfrau Claudia Klimt-Weithaler befragte dazu heute im Landtag Gesundheitslandesrätin Juliane Bogner-Strauß (ÖVP).

Statt derzeit 45 Kassenstellen für Allgemeinmedizin soll es in Liezen laut RSG ab 2025 nur mehr 26 Kassenstellen geben. Zusätzlich sieht der RSG bis 2025 vier Primärversorgungseinheiten vor, mit denen laut Gesundheitsfonds die Verringerung um 19 Einzelordinationen ausgeglichen werden soll. Im Murtal sind statt der bestehenden 63 Kassenplanstellen nur mehr 48 vorgesehen, dazu kommen drei Primärversorgungseinheiten.

Eine Primärversorgungseinheit mit zwei bis drei Kassenärztinnen und -ärzten wird im steirischen Gesundheitsplan offenbar so bewertet wie fünf (!) niedergelassene Ärzte. In keinem anderen Bundesland wird davon ausgegangen, dass Ärztinnen und Ärzte in Primärversorgungszentren deutlich mehr Menschen versorgen können als im niedergelassenen Bereich. In allen anderen Gesundheitsplänen werden Einzelstellen 1:1 in Primärversorgungseinheiten ersetzt. Claudia Klimt-Weithaler richtete deshalb die Frage an Landesrätin Bogner-Strauß, ob sie tatsächlich damit rechne, dass ein Arzt bzw. eine Ärztin in einer Primärversorgungseinheit doppelt so viel leistet wie ein Arzt oder eine Ärztin in einer Einzelordination.

 

Bogner-Strauß bestätigt Streichung von Ärztestellen

Landesrätin Bogner-Strauß erwiderte, dass im Bezirk Liezen und im Murtal aufgrund sinkender Bevölkerungszahlen „kein Wachstum geplant“ sei – tatsächlich kommt es zu einem Abbau von Stellen. Bogner-Strauß spielte den Ball an Ärztekammer und ÖGK weiter, die nicht genügend Planstellen besetzen. „Wir erwarten, dass sich dieser Trend fortsetzen wird und weitere Stellen unbesetzt bleiben werden“, so die Landesrätin. Durch die Primärversorgungseinheiten könne die „Versorgungswirksamkeit langfristig stabilisiert“ werden, hofft Bogner-Strauß. Sie sagt aber nicht dazu: auf niedrigerem Niveau.

„Dass die schrumpfende Bevölkerung als Argument für den Abbau von Planstellen herhalten muss, zeigt das Dilemma der Gesundheitspolitik dieser Regierung. Wenn Schulen und Krankenhäuser geschlossen werden, sehen viele keine Zukunft mehr und wandern ab. Statt sich zu überlegen, wie man aus diesem Teufelskreis ausbrechen kann, beschleunigt die Landesregierung die Ausdünnung der ländlichen Regionen“, bringt KPÖ-Klubobfrau Klimt-Weithaler die Entwicklung auf den Punkt.

11. Februar 2020