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Für kapitalistisches Wirtschaftsystem bezahlen wir einen hohen Preis!

Beitrag von KPÖ-LAbg. Pacher zur Tagung „Was ist uns die Natur in Zukunft wert“

„Schmeicheln wir uns indes nicht zu sehr mit unseren Siegen über die Natur. Für jeden solchen Sieg rächt sie sich an uns. Jeder hat in erster Linie zwar die Folgen, auf die wir gerechnet, aber in zweiter und dritter Linie hat er ganz andere, unvorhergesehene Wirkungen, die nur zu oft jene ersten Folgen wieder aufheben. Und so werden wir bei jedem Schritt daran erinnert, dass wir keineswegs die Natur beherrschen, wie ein Eroberer ein fremdes Volk beherrscht, wie jemand der außer der Natur steht – sondern dass wir mit Fleisch und Blut und Hirn ihr angehören und mitten in ihr stehen, und dass unserer ganze Herrschaft über sie darin besteht, im Vorzug vor allen anderen Geschöpfen ihre Gesetze zu erkennen und richtig anwenden zu können.“

Diese bemerkenswerten Worte wurden vor etwa140 Jahren von Friedrich Engels geschrieben und kennzeichnen meiner Meinung nach treffend das Verhältnis von Natur und Mensch.

Wir Menschen sind ein Teil der Natur, und damit Teil eines überaus komplexen Systems, dessen Bestandteile auf vielfältigste Weise untereinander verbunden sind. Veränderungen in diesem System haben mannigfache Auswirkungen, die nicht zuletzt die Lebenswelt der Menschen selbst verändern.

Zugleich hat der Mensch, wie kein anderes Wesen auf diesem Erdball die Fähigkeit die Umwelt zu verändern. Die menschliche Gesellschaft hat die Natur verändert seit es Menschen gibt. Doch durch die moderne Wissenschaft und die industrielle  Produktion wurde eine neue Qualität erreicht. Die Veränderung der Natur in gewaltigem, ja weltumspannendem Ausmaß, wurde dadurch ermöglicht.

Die große, ja alles entscheidende Frage ist, zu welchen Zwecken Wissenschaft und Produktion eingesetzt werden. Seit dem Zusammenbruch des Sozialismus in Osteuropa ist der Kapitalismus, bis auf wenige Ausnahmen, das vorherrschende Wirtschaftssystem auf unserer Erde. Ziel dieses Wirtschafssystems ist nicht, die Produktion nach den gesellschaftlichen Bedürfnissen zu planen und auszurichten. Oberstes Ziel ist das Erzielen von möglichst viel Profit und das in möglichst kurzer Zeit. Ein Teil der Menschen wird mit Waren überschüttet, Bedürfnisse werden künstlich geweckt. Der andere Teil der Menschheit vegetiert in Hunger und Armut, gleichzeitig erlebt die Rüstung neue Höhenflüge.

Waffen statt Brot ist die bittere Realität.

Für dieses kapitalistische Wirtschaftsystem bezahlen wir einen hohen Preis. Wir bezahlen diesen Preis in Form von Verelendung und vermehrter Ausbeutung, aber auch durch einen gigantischen Raubbau an der Natur.

Die Naturkräfte und die Reichtümer der Natur werden schonungslos ausgebeutet, Risikotechnologien, wie die Gentechnik oder die Atomindustrie werden forciert.

Alles wird zur Ware, zum Spekulationsobjekt, sogar die Vielfalt des Lebens. Genetische Informationen, ja sogar einzelne Lebewesen werden patentiert und so zur zum Eigentum und zur Profitquelle einiger Konzerne. Selbst angesichts der drohenden Klimakatastrophe werden dringend notwendige Maßnahmen auf Druck der Industrie abgeschwächt oder unterlassen. Gewinneinbrüche fürchten die wirtschaftlichen und politischen Eliten offensichtlich mehr, als den möglichen Untergang der menschlichen Zivilisation.  

Derzeit erleben wir gerade eine tiefe Krise des Kapitalismus. Grenzenlose Gier und die Öffnung aller Bereiche für Profitinteressen haben die Weltwirtschaft in ein Casino verwandelt. Die derzeitige Finanzkrise  und die Zerstörung der Natur sind aber zwei Seiten der selben Medaille: des profitgetrieben Kapitalismus.  Deshalb halten wir die sogenannte „Ökosoziale Marktwirtschaft“ für kein Lösungsmodell, sondern eher für eine Vernebelungstaktik. Denn eine ökologische und soziale Gesellschaft und die Marktwirtschaft sind Gegensätze, die sich nicht vereinigen lassen.

Der Raubbau an der Natur und diese ungerechte Gesellschaft rufen Widerstand hervor. Umweltschutzorganisation sind entstanden und leisten einen bedeutenden Beitrag zur Bewusstseinsbildung und zum Schutz der Umwelt. Einer dieser Organisationen ist der Naturschutzbund. Ich möchte die Gelegenheit nutzen um dem steirischen Naturschutzbund zu seinem Jubiläum zu gratulieren und für seinen konsequenten Einsatz für den Schutz der Natur zu danken.

Die KPÖ ist der Meinung, eine menschenwürdiges Leben aller Menschen dieser Erde und der Schutz der Natur sind möglich, aber nicht innerhalb des kapitalistischen Gesellschaftssystems, eines Systems, in dem Profit und Gier das oberste Prinzip sind.

Eine andere Gesellschaft ist nötig. Eine Gesellschaft, in der die Produktion den Bedürfnissen der Menschen dient. Eine Gesellschaft, die auf der Basis von breitem gesellschaftlichem Eigentum und unter Miteinbeziehung und Mitbestimmung aller entscheidet und produziert. Und eine Gesellschaft, die ein neues Verhältnis zur Natur gewinnt, indem das Leben so gestaltet wird, dass wir uns nicht selbst unsere natürliche Lebensgrundlage entziehen.  

Es heißt, jede Krise sei auch eine Chance. Vielleicht ist die jetzige Finanzkrise die Chance über eine solche Gesellschaft nachzudenken.
 


(Rede anlässlich der 50-Jahr Feier des Naturschutzbundes Steiermark)

30. Mai 2009