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Aktiv gegen Rechts

Erfolgreicher Auftakt zur Kampagne der KJÖ in Graz


Die beiden Veranstaltungen bildeten gleichzeitigen den Auftakt zur KJÖ-Kampagne "Aktiv gegen Rechts!". Wie in der Begrüßung hervorgehoben wurde, soll diese Teil einer antifaschistischen Gegenoffensive sein. Im Rahmen der Kampagne werden zehntausende Flugblätter, Broschüren, Aufkleber und CD’s an Jugendliche verteilt, dazu kommen zahlreiche Infoveranstaltungen, Konzerte, Demonstrationen, Fußballturniere, Aktionen und vieles mehr in ganz Österreich. Der 21. März war dabei für die künftige Arbeit vielversprechend.

Zu Beginn des Kongresses berichtete Wolfgang Purtscheller über die gegenwärtigen Versuche von Rechtsextremen und Neonazis sich neu zu formieren. Dabei wies er auch auf die Notwendigkeit hin, dass neofaschistische Organisationen verboten werden müssen. Unter anderem forderte er ein Verbot der rechtsextremen NVP, die mit ihren Demonstrationsanmeldungen Neonazis aller Couleur eine legale Plattform biete. Zudem wies er auf die Bedeutung der FPÖ und deren Jugendorganisation RFJ für den außerparlamentarischen Rechtsextremismus hin.
In der anschließenden Podiumsdiskussion mit einer Vertreterin der türkisch-kurdischen Föderation demokratischer Arbeitervereine (DIDF) und einem Vertreter der Österreichischen Gewerkschaftsjugend (ÖGJ) wurde unter reger Publikumsbeteiligung über Strategien gegen Rassismus und für eine Einheit der arbeitenden Menschen in den anstehenden sozialen Kämpfen gesprochen.

Im Anschluss sprach David Lang von der KJÖ über die gewaltige Kluft, die zwischen der freiheitlichen Stilisierung als "soziale Heimatpartei" und ihrer realen Politik klafft. Dabei verwies er einerseits auf die unsoziale Politik von Schwarz-Blau-Orange, deren große Verlierer die BezieherInnen kleiner Einkommen und die Jugend waren und sind, andererseits analysierte er das Wirtschaftsprogramm der FPÖ, welches unter anderem zahlreiche Angriffe auf die Rechte von Lehrlingen vorsieht.

Nach einem bewegenden Film über das Leben des Widerstandskämpfers Rudi Haunschmid sprach Jakob Matscheko (KSV) über die, sich selbst als Eliten verstehenden, Burschenschaften, die als Teil der herrschenden Klasse massiven Einfluss in Politik, Justiz und Wirtschaft haben. Robert Andreasch (a.i.d.a.-Archiv München) berichtete in einem hervorragenden Referat über Tätigkeiten und Verfasstheit der deutschen Neonazi-Szene. Angeschnitten wurden dabei unter anderem die massiven Finanzprobleme der neonazistischen NPD, die menschenverachtenden Praktiken der „Anti-Antifa-Arbeit“ und die Blindheit des Staates auf dem rechten Auge.

Im letzten Referat sprach Robert Krotzer (KJÖ) über antifaschistische Strategien. Dabei hob er hervor, dass, wer den Kampf gegen Rechts gewinn will, auch den Kampf um die soziale Frage gewinnen muss. Max Horkheimers Spruch "Wer vom Kapitalismus nicht sprechen will, soll auch vom Faschismus schweigen" zitierend, wies er daraufhin, dass eine antifaschistische Linke auch Fragen wie Umverteilung, soziale Sicherheit und freien Bildungszugang auf die Tagesordnung setzen muss. Einig waren sich alle Anwesenden darin, dass es bei den anstehenden Demonstrationen in Oberösterreich darum gehe, den Nazis empfindliche Niederlagen zu bereiten.

Am Abend rockten schließlich die Bands Scheinheilig, 100% Cotton und Lifestyle Heroes den Saal, während im Vorraum bei bester Stimmung weiterdiskutiert wurde. Einziger Wermutstropfen war die Tatsache, dass die CD "Laut gegen Rechts" und die Antifa-Broschüre nicht rechtzeitig in Graz eintrafen. Beide – ebenso wie T-Shirts, Buttons und Aufkleber – können aber auf www.kjoe.atbestellt werden.

23. März 2009