+313%: Steirische Demenz-Tageszentren sind zu teuer

Landesregierung will Tarifpolitik nach KPÖ-Initiative überdenken

Demenz-Tageszentren sind eine wichtige Möglichkeit zur Entlastung von Personen, die pflegebedürftige Angehörige betreuen. Diese Zentren arbeiten höchst professionell und stehen den pflegenden Angehörigen mit Rat und Tat zur Seite. Die Landesregierung hat die Tagessätze mit Jahresbeginn allerdings enorm angehoben: Je nach Höhe der Pension und Pflegestufe bedeutet das eine Verteuerung auf bis zu 313 % des früheren Tarifs.

Die KPÖ setzt sich dafür ein, dass die Tarife wieder auf ein erschwingliches Maß sinken. Denn die Steiermärkische Landesregierung hat die Tagessätze ab 1. Jänner 2020 enorm angehoben. Je nach Pflegestufe und Höhe der Pension beträgt die Erhöhung der Tarife bis zu 313 Prozent. Das Pflegegeld ist dagegen nur um 1,8 Prozent erhöht worden. Bisher galten die gleichen Tagessätze für die Demenztageszentren und für die Tagesbetreuung für ältere Menschen. Nun gibt es für die Demenztageszentren einen Aufschlag von 36 Euro (+47,3%) pro Tag.

KPÖ-Klubobfrau Claudia Klimt-Weithaler: „Mit der extremen Verteuerung soll wohl erreicht werden, dass viele auf die Tageszentren verzichten, obwohl es eine wichtige Entlastung wäre. Dabei bleiben den Angehörigen immer noch 16 Stunden täglich, in denen sie sich um Pflege und Betreuung kümmern. Ich hoffe, dass die Zusage der Landesregierung, die Tarife noch einmal zu prüfen, auch zu einem positiven Ergebnis für alle führt, die sich um ihre Angehörigen kümmern.

Die Landesregierung begründet dies damit, dass pflegebedürftige Menschen nicht zu viel Zeit in Tagesbetreuung verbringen sollen. In den Qualitätsstandards, die von der Landesregierung am 14. Juni 2018 beschlossen wurden, gibt es aber keinerlei derartige Einschränkung. Dafür bekannte sich das Land vor zwei Jahren ausdrücklich zu einer Preisgestaltung, „die für die Betroffenen ohne unangemessene Einschränkung der Lebensqualität erschwinglich ist“. Nach einer Initiative der KPÖ im Landtag, die Tarife wieder zu senken, will die Landesregierung ihr Finanzierungsmodell noch einmal überdenken.

Die durchschnittliche Frauenpension ist Österreich beträgt nur 982 Euro netto. Nur die allerwenigsten können sich damit bei z.B. 460 Euro Pflegegeld 2500 Euro für ein Tageszentrum leisten! Deshalb werden wieder mehr Menschen im Heim untergebracht, da dafür die öffentliche Hand die Kosten übernimmt. ‚Mobil vor stationär‘ wird damit zu einer leeren Phrase“, ruft Klimt-Weithaler der Steiermärkischen Landesregierung ein Versprechen in Erinnerung, an das sie sich offenbar nicht gebunden fühlt.

8. Juli 2020